…. bin ich auf Gustav Freytags Satz: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“ gestoßen.
Meine Freundin geht zweimal wöchentlich zu einem Zirkeltraining. Ich sagte ihr kürzlich, dass ich sie bewundere, dass sie das so konsequent durchzieht. Sie meinte, dass sei kein Problem mehr. Am Anfang hätte sie öfter gedacht „Och nee, heute hab ich keine Lust“. Aber auf einmal wäre es ganz normal gewesen, hätte zum Tagesablauf gehört, es hätte gar keine Überlegung wie „geh ich oder geh ich nicht“ mehr gegeben. Es sei zur Gewohnheit geworden.
Einen Tag später habe ich ein Video meines Lieblings-Schmerzcoachs gesehen. Er empfahl, drei Übungen am Tag zu machen. Eine direkt nach dem Aufstehen, eine mittags und eine abends. Jeweils nur zwei Minuten. Er sagte, dass das nur am Anfang schwierig sei, bereits nach ca. drei Wochen müsse man gar nicht mehr drüber nachdenken, da würden diese 3×2 Minuten zum Tagesablauf gehören wie das Zähneputzen. Dann sei es zur Gewohnheit geworden.
Da war es schon zum dritten Mal in wenigen Tagen – das Wort „Gewohnheit“. Was genau ist eine „Gewohnheit“. Wir tun etwas, tun es noch einmal und wenn dann die entsprechende Situation wiederkommt, tun wir es automatisch, ohne darüber nachzudenken. Das bestätigen meine Erfahrungen – sowohl, was ich an mir beobachte, als auch, was ich bei anderen erlebe. Es kommt zum Beispiel öfter vor, dass ich meinen Mann frage: „Warum eigentlich machst du immer…. ?“(Setzen Sie hier etwas ein, was Sie sicher aus eigenem Erleben kennen). Meist sagt er: „Keine Ahnung, Gewohnheit!“
Ich fürchte, die Gewohnheiten haben uns ziemlich im Griff. Eine meiner unzuträglichsten Gewohnheiten ist, dass ich immer beim Arbeiten irgendetwas essen muss. Dann geht es viel leichter. (An meinem Gewicht kann man ein bisschen erkennen, dass ich ganz schön beschäftigt bin). Lange am PC tippen oder viele Texte lesen? Kein Problem, wenn Kekse, Schokolade oder Kuchen dabei sind. Ja, ich weiß, das ginge auch mit Apfelschnitzen oder Bananenstückchen – aber irgendwie ist es dann nicht ganz dasselbe.
Es gibt übrigens auch Gewohnheiten, was das Denken oder Fühlen angeht. Die können ziemlich fies sein. Längere Zeit habe ich, wenn ich einen Rührkuchen gebacken habe, gewohnheitsmäßig gedacht: „Garantiert wird der wieder glitschig!“, weil mir öfter mal passiert ist. Seit ca. 3 Monaten verwerfe ich diesen Gewohnheitsgedanken, ersetze ihn durch „Der Kuchen wird perfekt!“ Und siehe da – es klappt! (Manchmal kann ich seitdem nicht so gut beurteilen, ob mein äußeres Erscheinungsbild nun vom vielen Arbeiten oder vom vielen Rührkuchen kommt….).
Ich habe mir vorgenommen, die ein oder andere überflüssige oder nicht-gut-tuende Gewohnheit gegen bessere auszutauschen und bin gespannt, wie lange es dauert, bis ich mir die besseren angewöhnt habe.

Ihre Angelika