Von diesem Effekt hatte ich noch nie etwas gehört, aber als ich jetzt darüber gestolpert bin, ist mir aufgefallen, dass er ziemlich gut auf mich zutrifft.
Vereinfacht ausgedrückt, besagt dieser Effekt – benannt nach der Psychologin Bljuma Zeigarnik – dass unser Gehirn sich an nicht erledigte Aufgaben deutlich besser erinnert, als an erledigte Aufgaben. Besonders interessant ist, dass das auch dann gilt, wenn für die erledigten Aufgaben wesentlich mehr Zeit aufgewendet wurde als für die unerledigten. Erklärt wird das dadurch, dass eine angefangene Aufgabe eine Spannung aufbaut, die die kognitive Zugänglichkeit der relevanten Inhalte verbessert. Ist die Aufgabe erledigt, wird die Spannung entsprechend wieder abgebaut. Wird die Arbeit unterbrochen, wird somit auch der Spannungsabbau verhindert.
Das ist wohl der Grund, warum wir uns an unerledigte Aufgaben erinnern, sie uns abends vielleicht nicht einschlafen lassen und/oder morgens beim Aufwachen sofort wieder präsent sind, während erledigte Aufgaben meist direkt „abgehakt“ sind. Das kann dazu führen, dass wir am Abend eines Tages das Gefühl haben, heute irgendwie gar nix geschafft zu haben.
Kürzlich habe ich gelesen, dass wir dazu tendieren, Dinge erledigen, Fragen beantworten, Sätze vervollständigen zu wollen. Deshalb sind angefangene Sätze, die man dann beantwortet, oft hilfreich bei Problemlösungen. Wollen Sie z.B. abnehmen und denken „Ich muss abnehmen“, ist das meist nicht zielführend. Schreiben Sie aber auf einen Zettel „Um abzunehmen, könnte ich….“ und nehmen sich dann 10 Minuten Zeit, diesen Satz zu ergänzen, fallen Ihnen sicher einige Möglichkeiten ein, das Ziel zu erreichen.
Ähnlich ist es mit Afformationen, die im Gegensatz zu Affirmationen meiner Meinung nach wirklich hilfreich sind. Hier stellen wir uns Fragen und nutzen den Umstand, dass unser Gehirn immer bemüht ist, auf eine Frage eine Antwort zu finden. Um beim Beispiel zu bleiben, sagen Sie also nicht „Ich bin schlank! Ich bin schlank!….“, sondern sagen: „Wie habe ich das geschafft, so viel abzunehmen?“ Ähnlich wie bei den Satzanfängen sucht das Gehirn nun nach Möglichkeiten. Und die müssen wir dann nur noch anwenden.
Meine Aufgabe, dieses „Willkommen“ zu schreiben, ist nun erledigt und ich werde schauen, ob ich noch das eine oder andere „Unerledigte“ finde, das ich zu Ende führen kann. Wieso mein Gehirn mir jetzt den Gedanken an die angebrochene Tafel Zartbitterschokolade schickt, verstehe ich allerdings gerade so gar nicht…

Ihre Angelika Förster