… bin ich über einen interessanten Text gestolpert. Es ging darin um den Zeigarnik-Effekt. Benannt nach der Psychologin Bljuma Zeigarnik, sagt dieser Effekt – vereinfacht ausgedrückt – dass unser Gehirn sich an nicht erledigte Aufgaben deutlich besser erinnert, als an erledigte Aufgaben. Besonders interessant ist, dass das auch dann gilt, wenn für die erledigten Aufgaben wesentlich mehr Zeit aufgewendet wurde als für die unerledigten. Erklärt wird das dadurch, dass eine angefangene Aufgabe eine Spannung aufbaut, die die kognitive Zugänglichkeit der relevanten Inhalte verbessert. Ist die Aufgabe erledigt, wird die Spannung entsprechend wieder abgebaut. Wird die Arbeit unterbrochen, wird somit auch der Spannungsabbau verhindert. (Ja, ne, is klar soweit!)
Das ist wohl der Grund, warum wir uns an unerledigte Aufgaben erinnern, sie uns abends vielleicht nicht einschlafen lassen und/oder morgens beim Aufwachen sofort wieder präsent sind, während erledigte Aufgaben meist direkt „abgehakt“ sind. Das kann dazu führen, dass wir am Abend eines Tages das Gefühl haben, heute eigentlich so gar nix geschafft zu haben. Mir ist aufgefallen, dass das irgendwie auf mich zutrifft. Ganz oft sage ich abends: „Boah ey, ich wollte heute noch bügeln/saugen/einkaufen/Kolumne schreiben und was ist? Nicht geschafft vor lauter Lauter!“
Dass ich aber im Garten gearbeitet, Betten abgezogen, Enkelkind bespaßt und drei Fenster geputzt habe, ist total vergessen. Jetzt ist mir klar, warum das so ist: Der Spannungsabbau ist schuld! Ich glaube, ich werde mir alle erledigten Aufgaben notieren, damit ich – sollte mich der verhinderte Spannungsabbau an alles Unerledigte erinnern und mir ein schlechtes Gewissen verursachen – daran erinnert werde, was ich geschafft habe.
Ein weiterer Artikel auf dieser Seite besagte,, dass wir dazu tendieren, Dinge erledigen, Fragen beantworten, Sätze vervollständigen zu wollen. Deshalb sind angefangene Sätze oft hilfreich, die man dann beantworten soll. Will man abnehmen und denkt „Ich muss abnehmen“, ist das selten zielführend. Schreibt man aber auf einen Zettel: „Um abzunehmen könnte ich….“ und nimmt sich dann 10 Minuten Zeit, diesen Satz zu ergänzen, kommen Ideen, wie man das Ziel erreichen kann. (Von der tatsächlichen Anwendung dieser hilfreichen Ideen reden wir jetzt mal nicht!).
Ähnlich ist es mit Afformationen, die im Gegensatz zu Affirmationen meiner Meinung nach wirklich sinnvoll sind. Hier stellen wir uns Fragen und unser Gehirn ist – wie wir ja jetzt wissen – immer bemüht, auf eine Frage eine Antwort zu finden. Um beim Beispiel zu bleiben, sagt man also nicht „Ich bin schlank! Ich bin schlank!….“ sondern: „Wie habe ich das geschafft, so viel abzunehmen?“ Ähnlich wie bei den Satzanfängen sucht das Gehirn nun nach Möglichkeiten. Und die müssen wir dann nur noch anwenden – hier gilt nun wiederum das im vorigen Absatz in ( ) genannte.
Ich überlege jetzt mal, was ich noch an Unerledigtem habe, was ich erledigen könnte, um Spannung abzubauen. Da fällt mir ein: Ich hatte doch neulich eine Tafel Zartbitterschokolade angebrochen….

Ihre Angelika