Vor einigen Tagen war meine Enkelin Sophia den ganzen Tag im Kindergarten – auch zum Mittagessen. Sophia kommt nach ihrer Mutter, die hat sich bei den ganzen Untersuchungen im Kindesalter immer an der Linie zu „viel zu leicht“ entlanggehangelt. Die Erzieherin sagte beim Abholen zu meiner Tochter: „Sophia hat schön gegessen!“ Damit war nicht direkt gemeint, dass sie mit Grazie und Eleganz den Löffel zum Mund geführt hat, sondern eher, dass sie den Teller leer gegessen hat. Manchmal wird auch die Formulierung verwendet, dass ein Kind „gut gegessen“ hat, was auch meist nicht bedeutet, dass das Essen an Köstlichkeit kaum zu überbieten war, sondern ebenfalls, dass viel gegessen wurde.
Mir fiel auf, dass eine Freundin – wenn sie über ihre Mutter erzählte, die 93 Jahre alt ist – auch öfter sagte: „Die Mutti hat heute schön gegessen!“ Auch damit war gemeint, dass sie ausreichend gegessen hat.
Irgendwie komisch: Kleine Kinder sollen „schön“ und „gut“ essen und ältere Menschen sollen ebenfalls „schön“ und „gut“ essen. In der Zeit dazwischen wird man eher nicht gelobt, wenn man schön oder gut isst. Da bekommt man meist den Ratschlag, weniger zu essen, weil man ein paar Kilos zu viel hat oder nicht so viel Fleisch, mehr Obst und Gemüse und keine Fertiggerichte zu essen – um nur einige der Tipps zu nennen.
Wann hört es eigentlich auf, dass man „schön“ isst und wann fängt es wieder an? Können wir eigentlich irgendwann selbst entscheiden, was und wie viel wir essen? Ich habe den Eindruck, dass uns immer jemand – seien es die Eltern oder in höherem Alter dann die Kinder, der Arzt, die Freundin, die Ratgeber in allen Ecken oder wer auch immer – vorschreiben will, was und wie viel wir essen sollen. Nicht zu vergessen die beliebte Frage: „Trinken Sie auch genug?“
Und dann kam mir ein Gedanke, über den ich nachdenken musste. Eltern sorgen sich um ihre kleinen Kinder, dass sie auch wirklich genug und richtig essen und trinken. Jahrzehnte später sorgen sich Kinder um ihre alten Eltern, dass sie auch wirklich genug und richtig essen und trinken….

Ihre Angelika Förster