Vor einiger Zeit rief meine Schwiegermutter an und bat meinen Mann, bei ihr vorbeizukommen. Er müsse ihr etwas installieren. Als er zurückkam, war etwas fassungslos. Meine Schwiegermutter wohnt im 4. Stock eines Wohnblocks. Sie hat einen innenliegenden Balkon. Rundherum sind weitere Wohnblocks – jeder kann jeden Block sehen. Sie hatte Einbruchsicherungen für die Fenster gekauft und für die Balkontür. Außerdem wollte sie eine Art Alarmanlage, falls jemand über den Balkon kommen würde. Auf die Frage meines Mannes, wie das jemand machen solle, auf diesen Balkon zu gelangen, meinte sie: „Die schaffen das!“ Das warf bei mir die Frage auf, wie sicher Sicherheit ist bzw. sein kann oder sein muss und ob es überhaupt eine vollkommene Sicherheit geben kann. Unser Sprachgebrauch zeigt in einigen Beispielen schon, dass mit „sicher“ nicht wirklich „sicher“ gemeint ist. Nehmen wir an, ich bin unterwegs und jemand ruft mich auf dem Handy an und fragt, wo mein Mann ist. Wenn ich nun antworte: „Der ist sicher zuhause!“ ist damit nicht sicher, dass er tatsächlich zuhause ist. Ich vermute es nur, weil er es war, als ich losgefahren bin oder weil mir nicht bekannt ist, ob er noch mal weg wollte. Wenn ich aber antworte: „Der ist zuhause!“ dann ist die Aussage klar. Es gibt für alles Mögliche und Unmögliche Versicherungen, wir überdenken und wägen ab – das ist sicher nicht verkehrt, aber schützt uns das auch vor allem Möglichen und Unmöglichen? Manchmal ist Vertrauen und Zuversicht sinnvoller, als Überdenken und Absichern. Da fällt mir ein passender Witz ein. Ein Anruf von Freunden an einem heißen Tag: „Kommt Ihr heute Abend zum Grillen in unseren Garten?“ „Ist das überdacht?“ „Äh – nein, eher spontan!“

Ihre Angelika Förster