Wiesbaden. Was am Herzen funktioniert, wird auch am Magen immer häufiger eingesetzt. Dass eine Schrittmacher-Technologie Patienten mit Reflux-Beschwerden tatsächlich helfen kann, hat PD Dr. Martin Hoffmann inzwischen vielfach bewiesen. Am Lübecker Campus der Universitätsklinik Schleswig-Holstein baute der 42-Jährige ein Exzellenzzentrum der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie auf, das insbesondere bei minimalinvasiven Eingriffen im Bauchraum inzwischen überregionalen Ruf genießt. Seit dem 1. Juli 2017 ist Privatdozent Dr. Hoffmann Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasiven Chirurgie an der Asklepios-Paulinenklinik (APK) in Wiesbaden. Sodbrennen heißt im Sprachgebrauch das von Anfang an lästige, im fortgeschrittenen Stadium potenziell gefährliche Problem, das als Zivilisationskrankheit immer mehr Menschen plagt. Von Reflux-Erkrankung spricht ein Experte wie Privatdozent Dr. med. habil. Martin Hoffmann, wenn der Schließmuskel zwischen der unteren Speiseröhre und dem Magen seine Funktion nicht mehr erfüllt, daher Magensekrete in die Speiseröhre zurückfließen und den Patienten im Wortsinn sauer aufstoßen lassen. Vielen Betroffenen helfen laut Dr.  Hoffmann schon Medikamente, die die Säureproduktion im Magen hemmen. Andere unterziehen sich einer Operation, bei der Teile der Magenwand um die Speiseröhre gelegt werden und den Schließmuskel stützen. „Das ist ein bewährtes, gutes Verfahren“, sagt Dr. Hoffmann, der als Bereichsleiter für Magen- und Speiseröhrenchirurgie in Lübeck selbst schon viele solche Operationen vorgenommen hat – „allerdings auch ein bedeutender Eingriff in die menschliche Anatomie“. Und: Nicht bei jedem Betroffenen schlage diese Methode an. So wie bei einem 31-Jährigen Wiesbadener, dem Dr. Hoffmann jetzt als erstem an der APK einen Stimulator implantierte. Mit seiner Kollegin Dr. Tatjana Popp und ihrem Team setzte der Experte dem Reflux-Patienten, der zuvor mit anderen Methoden austherapiert war, zwei Elektroden in den Speiseröhren-Schließmuskel ein und implantierte unter der Haut am Unterbauch ein kleines Steuergerät, das von außen per Laptop über einen Sender individuell eingerichtet werden kann. „Ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher“, erläutert Dr.  Hoffmann. Die Technik könne ohne weiteren Eingriff immer wieder nachjustiert werden, bis die richtige Einstellung für jeden Patienten gefunden sei. Dabei kann der neue Chefarzt auf umfassende Erfahrungen zurückgreifen, wie auch schon bei der Operation: Minimalinvasive Eingriffe im Bauchraum hat Dr. Hoffmann in Lübeck perfektioniert. Die Operation dauert nach seinen Worten 45 Minuten und lässt nur vier kleine Einschnitte zurück. Binnen kurzer Zeit sei der Patient schmerzfrei, könne nach drei bis sechs Tagen die Klinik verlassen und sei in der Regel fast sofort wieder arbeitsfähig. Aufgrund seiner umfassenden Ausbildung und Erfahrung kennt Dr. Hoffmann auch alle Gründe, warum sich Patienten mit Reflux-Beschwerden unbedingt helfen lassen sollten: „Es bringt Lebensqualität zurück und schützt vor schweren Folgeerkrankungen“. Häufig litten Betroffene unter Schmerzen in Bauchraum und Brustkorb, chronischem Husten, Zahnproblemen und Schlafstörungen. Chronische Entzündungen der Speiseröhre könnten auch Tumor-Erkrankungen nach sich ziehen. „Nicht jeder, der Sodbrennen hat, muss operiert werden“, betont Dr. Hoffmann. Oft reiche eine konservative Therapie aus. In jedem Fall stehe im Refluxzentrum an der Asklepios-Paulinenklinik Kompetenz und die gesamte Ausstattung für eine umfassende und gründliche Diagnostik zur Verfügung. (LPR)