Kennen Sie auch Menschen, denen man etwas erzählt – weil einem gerade etwas auf der Seele liegt und man einfach reden muss oder weil man gerade „überläuft“ und das teilen möchte – die das dann auf der Stelle an jeden verfügbaren anderen Menschen weiter erzählen? Auch dann, wenn es sich um ganz private und nicht für jedermanns Ohren bestimmte Dinge dreht? Oder Menschen, von denen man angerufen wird, weil sie eine kurze Frage haben und die dann loslegen und ihre ganze Lebens-/Liebes- und/oder Leidensgeschichte erzählen, ob man will oder nicht? Und das sogar dann, wenn der Gesprächspartner ein bis dato völlig fremder Mensch ist. Klar, ein bisschen Tratsch ist irgendwie gesund – aber es gibt Grenzen. Manche Dinge, die man von anderen erfahren hat, trägt man einfach nicht weiter. Und nicht jeden interessiert die eigene Geschichte bis ins Detail. Wenn ich mich frage, warum jemand so etwas tut, komme ich immer zu dem Ergebnis, dass derjenige Probleme haben muss. Mangelndes Selbstwertgefühl, das gesteigerte Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Einsamkeit – um nur einige Gründe zu nennen, die die Ursache sein können. Aber wie geht man damit um, wenn man „Opfer“ solcher verbalen Attacken wird? Ganz klar sagen: Das interessiert mich nicht? Zuhören und dann vergessen? Was, wenn ganz private Dinge weitergetragen werden? Schweigen und die Konsequenzen ziehen, also nicht mehr mit demjenigen über private Dinge reden? Oder darauf hinweisen, dass hier eine Grenze überschritten wurde? Ich denke, das sollte man durchaus tun, wenn es für uns zu weit gegangen ist, wenn Vertrauen missbraucht wurde und wir uns in unseren Gefühlen verletzt fühlen.

Ihre Angelika Förster