…. war ich mit meiner Enkelin auf der Kerb. Das war aus verschiedenen Gründen sehr interessant. Zum einen ist es schön, zu sehen, wie sie sich freut, wie sie auf dem Karussell voll konzentriert das Feuerwehrauto lenkt oder sich auf dem Motorrad gekonnt in die Kurven legt. Zum anderen habe ich zuhause dann Fotos rausgekramt, auf denen ihre Mutter – also meine Tochter – auf dem Karussell unterwegs ist und fast gedacht, die Zeit sei stehen geblieben. Unterschied nur, dass früher die Karussells im Kreis gefahren sind, während dieses jetzt ein Oval gefahren ist. Die Musik, das Gehupe, das Gebimmel, das Geschrei, Kinder, die während der Fahrt bemerkt haben, dass sie ihren Mut doch überschätzt haben und weinend die Ärmchen ausgestreckt haben, wenn sie an ihren Eltern vorbeigefahren sind (das Karussell wurde aber kurz angehalten, damit die ausgestreckten Ärmchen in die starken der Eltern gelangen konnten) – alles wie früher. Dann gab es auch Autoscooter. Auch hier eigentlich alles wie früher – und doch: Etwas fiel mir auf, das fehlt. Etwas, ohne dass es in meiner Kinder- und Jugendzeit Autoscooter nie gab. Die junge Dame, die die Chips verkaufte, hatte ein Mikro vor sich. Und kaum war die rasante Fahrt gestartet, hörte man über das Mikro ihre Stimme – in diesem Singsang, wie er typisch ist für Schausteller, ob es nun Losverkäufer oder Fahrgeschäfte sind. Sie „sang“ IMMER dasselbe: „Fahren Sie bitte rechts, halten Sie bitte die rechte Fahrbahnseite ein!“ Ich kann mich an keine Fahrt erinnern, bei der das nicht zu hören war. So ein Kerbeplatz ist wie eine kleine Reise in die Vergangenheit. Ein Ort, an dem fast alles noch so ist wie früher. Okay: Eine Veränderung gibt es noch – die Kids stehen heute mit Handy in der Hand auf dem Platz, nicht mehr mit Zuckerwatte verklebten Fingern oder Riesenlutschern in der Hand. Früher wie heute hört(e) man aber: „Och bitte, Mama, noch EINMAL fahren!“ oder „Nein, ich will aber noch nicht gehen!“ Und natürlich muss Popcorn mitgenommen werden und Schokoküsse mit Kokos (auch wenn sie dreimal so teuer sind wie im Geschäft, wo sie übrigens niemanden interessieren). Mit einem Enkelkind erlebt man die dritte Generation auf einem Kerbeplatz und kann vergleichen. Man erinnert sich, wie man es selbst früher erlebt hat, man weiß noch, wie es mit dem eigenen Kind war und jetzt erlebt man es aus der dritten Perspektive mit dem Enkelkind. Und für einen kurzen Moment dachte ich: Ja, doch, ich würde jetzt auch mal mit dem Feuerwehrauto fahren und Bimmeln und Hupen, was Bimmel und Hupe hergeben!

Ihre Angelika