In letzter Zeit sind mir Berichte begegnet, die ich anfangs gar nicht glauben konnte und wollte. Es ging um „Erinnerungsstücke“ Verstorbener. Nein, nicht um den Lieblingsring der Oma, die Blumenvase der Mutter, die seit Jahrzehnten immer für Blumen von ihr gewählt wurde oder den Spazierstock von Opa.

Vor drei Monaten war ich selbst völlig unerwartet in der Situation, eine Bestattung zu beauftragen. Als dann die Rechnung des Bestattungsunternehmens kam, lag dem Brief eine Werbung für Schmuck bei. Achtlos habe ich das in den Papierkorb geworfen, bis ich dann im Begleitschreiben lesen musste, dass der Bestatter einen Fingerabdruck meines Mannes genommen hat. Diesen könnte ich nun in einen Ring, einen Anhänger oder Ähnliches einarbeiten lassen – natürlich von der Firma, deren Werbung beilag.

Ich war entsetzt! Einen Fingerabdruck genommen? Ohne mich zu fragen? Dann habe ich allerdings festgestellt, dass in den Geschäftsbedingungen, die man mir aushändigte, als ich den Vertrag beim Bestatter unterschrieben habe, stand, dass sie das tun werden.

Wer kommt auf solche Ideen? Ist das ein wertvolles Andenken? Mir persönlich würden da eher andere Dinge einfallen – die Tasse, aus der er immer getrunken hat, der Lieblingspullover – als ein Fingerabdruck. Aber wer es mag – des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Jetzt habe ich gelesen, dass man sogar die DNA des Verstorbenen extrahieren und sie sich dann in einer Glasphiole um den Hals hängen kann. Man kann sogar die DNA in Streifen unter UV-Licht zum Leuchten bringen und dieses Fluoreszenzmuster als Bild an die Wand hängen. Da wäre mir ein Foto der/des Verstorbenen tausendmal lieber – ich habe ja die Zeit mit ihr/ihm verbracht und nicht mit ihrer/seiner DNA.

Veränderung gehört zum Leben – also wohl auch Veränderungen, was die Art des Gedenkens an Verstorbene angeht. Und ich muss ja nicht jede Veränderung gut finden.

Ihre Angelika Förster