MAINZ-HECHTSHEIM – Bildlich gesprochen steht beim Verein Trauernde Eltern & Kinder Rhein-Main die Tür immer offen für alle, die die Unterstützung der Trauerbegleiter benötigen. Am 23. Oktober stand die Tür nun aber dezidiert auch in der Praxis offen für alle, die sich für den Verein interessieren. Mit einem Tag der offenen Tür sollten befreundete Vereine, Initiativen oder Sponsoren, mit denen der Verein regelmäßig im Austausch steht oder zusammenarbeitet, die Gelegenheit bekommen, mal wieder persönlich in der Geschäftsstelle vorbeizuschauen. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Als sich um 11.30 Uhr die Tür tatsächlich öffnete, kamen bereits die ersten Gäste und einige blieben, bis zumindest für diesen Tag, gegen 15.30 Uhr die Türen wieder schlossen. Der Gesprächsfaden riss nie ab, was an der Aufgeschlossenheit der Gäste aus Bereichen wie der Seelsorge oder therapeutischen Praxis, der Bestatterbranche, der Kirche oder auch der öffentlichen Hand lag. So gut, wie die Gespräche liefen, hätte es vermutlich nach der Begrüßung durch unsere Vorsitzende Irene Heppel gar keiner Programmpunkte bedurft. Und dennoch wurden sowohl der Vortrag von Tatjana Ohlig zum Thema „Mit Trauer umgehen statt Trauer umgehen“ wie auch ein Referat zum Projekt „Trauer am Arbeitsplatz“ aufmerksam verfolgt. Nicht nur mit den Inhalten dieser Vorträge haben  alle Besucher des Tags der offenen Tür einen Impuls mit auf den Heimweg bekommen. Tatjana Ohlig sprach über den Grundansatz der Trauerarbeit: Trauerbegleiterinnen wollen Menschen helfen, dass sie den Tod eben nicht verarbeiten oder verdrängen, sondern den geliebten Menschen einen Platz zuweisen können in ihrem weiteren Leben. Sie stellte dabei auch dar, wie unterschiedlich die Trauer bei Kindern und Erwachsenen abläuft. Jedem Besucher wird das Bild in Erinnerung bleiben, dass man Kindern gestatten muss, Trauer wie bei einem Sprung in eine Pfütze auszuleben. Sie hüpfen hinein, sind in tiefer Traurigkeit und hüpfen kurze Zeit später wieder hinaus und sind fröhliche Kinder. Es gilt, sie zu diesem Pfützenspringen zu ermutigen. Erwachsenentrauer verglich Tatjana Ohlig hingegen mit dem Durchschreiten eines reißenden Flusses, bei dem es unmöglich scheint, das andere, vermeintlich rettende, Ufer erreichen zu können.

Bezüglich des Projektes „Trauer am Arbeitsplatz“ stellten wir dar, wie der Verein auf Unternehmen aus der Region zugeht, um ihnen etwas an die Hand zu geben für den Umgang mit Trauer von Mitarbeitern. Erste Kooperationen rufen schon, am Tag der offenen Tür wurden wertvolle neue Kontakte geknüpft.

Dank der Förderung durch das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie war es  möglich, den Tag inklusive eines Buffets so zu gestalten, dass die Gäste den Besuch des Tags der offenen Tür mit ihrer Mittagspause und einer Stärkung mit einer Suppe oder kleinen Häppchen verbinden konnten. Dies trug maßgeblich dazu bei, dass sich in Ruhe Gespräche entwickeln konnten, ohne den großen Zeitdruck durch den Arbeitsplatz, der zur Rückkehr mahnt. Die offenen Türen wurden entsprechend oft erst nach sehr langem Aufenthalt wieder als Ausgang genutzt.

Daniel Meuren