Spätestens seit diesem Sommer kann man(n) das durch den WM-Gewinn 1954 ausgelöste Fußballfieber in Deutschland auch beim weiblichen Geschlecht nachvollziehen. Bei mitunter bescheidenen Kenntnissen des Regelwerks – „das Runde muss in das Eckige“ – genossen sie das Spiel mit dem runden Leder, umgeben von schreienden und bierdurstigen Männerrunden, sei es national, sei es international.

Wen wundert’s. Liefen doch Wochenende für Wochenende 22 junge, durchtrainierte und mehr oder weniger attraktive junge Männer über den Bildschirm. In diesem Punkt können die Fußballerinnen der derzeit laufenden FIFA Frauen WM mit ihren männlichen Kollegen problemlos konkurrieren.

Vor allem aber in fußballerischer Hinsicht hat der Frauenfußball längst aufgeholt. Die Zeiten der Halbecken sind passé. In den Bereichen Athletik, Schnelligkeit, Technik, Taktik, Spielverständnis, Spielrhythmus und wie sie noch alle heißen, stehen die Damen dem bisher männerdominierten Spiel in nichts mehr nach. Von internationalen Erfolgen ganz zu schweigen. Leider aber auch in der Unschuldsgestik und der übertriebenen Zweikampfhärte mit oft schmerzlichen Folgen.

Und trotzdem spielt der Frauenfußball in der öffentliche Wahrnehmung kaum eine Rolle. Hinsichtlich der Vermarktung gibt es verstehbare Begründungen. Welchen Stellenwert hat etwa die Basketball-Bundesliga der Männer im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Fast keinen, denn hier können Investoren keinen Goldtaler behangenen Blumentopf gewinnen.

Was die oft geäußerte Gleichgültigkeit, das Belächeln und oder gar die Dünkel gegenüber den Fußballdamen betrifft, wird es schon diffiziler. Haftet hier noch im kollektiven Gedächtnis, dass der DFB anlässlich des Verbandstags im Juni 1955 den in seinem Verband organisierten Vereinen untersagt hat, Frauenfußball anzubieten mit der Begründung, diese Kampfsportart sei der Natur des Weibes im Wesentlichen fremd. Unvorstellbar im Zeitalter der aufgeklärten Republiken. Erst Ende 1970 hob der DFB dieses Frauenfußballverbot auf.

Zu spät? Eindeutig „Nein!“ Und das verbunden mit der Ermutigung an alle Spielerinnen, ihren Sport weiterzuentwickeln und mit dem Appell, gleichwertige Anerkennung einzufordern, so, wie es die US-Girls vorgemacht haben.

Ach übrigens: auch in Männerkreisen war die Abseitsregel in den 60-er Jahren bei vielen ein Buch mit sieben Siegeln.

Ulrich Nilles