MAIN TAUNUS KREIS – „In ihm verbanden sich Herzblut für den Main-Taunus-Kreis und die deutsche Zeitgeschichte in Person“: Mit diesen Worten hat Landrat Michael Cyriax den verstorbenen früheren Ersten Kreisbeigeordneten Wolfgang Knoll gewürdigt. Der vielfältig engagierte Knoll war am Donnerstag im Alter von 90 Jahren gestorben. Im Kreis hatte er sich neben zahlreichen weiteren Funktionen besonders für den Denkmalschutz und die Kiesgrubenlandschaft in Flörsheim-Weilbach eingesetzt.

Der gebürtige Schlesier war 1945 vertrieben worden und fasste nach seiner Flucht aus der Sowjetisch Besetzten Zone (der späteren DDR), wo er politisch verfolgt war, als kaufmännischer Angestellter und Geschäftsführer im Westen Fuß. Anschließend war er zehn Jahre lang beim Bundesnachrichtendienst und dort für die Beschaffung von Nachrichten aus Orteuropa zuständig. Nach einer Station als Referent für Parlamentsangelegenheiten im Hessischen Ministerium für Wirtschaft und Technik kam er zum Main-Taunus-Kreis und war von 1974 bis 1989 Erster Kreisbeigeordneter. Zu seinen Dezernaten zählten das Sozialamt, das Gesundheitsamt, die Bauaufsicht und das Veterinäramt.

In zahlreichen Funktionen engagierte er sich ehrenamtlich, etwa beim „Naturpark Hochtaunus“, beim Fremdenverkehrsverband „Main + Taunus“, im Veraltungsrat der damaligen Kreissparkasse. Besonders setzte er sich für den Denkmalschutz ein – etwa als Vorsitzender des Denkmalbeirates und des Förderkreises Denkmalpflege. Er gehörte zu den Gründern der Gesellschaft zur Rekultivierung der Kiesgrubenlandschaft Weilbach und war Aufsichtsratsmitglied der Regionalpark-Gesellschaft. Politisch wirkte er auf den verschiedensten Ebenen in der FDP mit. Sein vielfältiges Engagement wurde unter anderem mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette des Landes Hessen gewürdigt.

„Wolfgang Knoll hat nicht nur ein bewegtes Leben durch die Nachkriegszeit hinter sich“, fasst Cyriax zusammen. „Mit seinem kaum überschaubaren Wirken in den verschiedensten Funktionen im Kreis hat er auch gezeigt, welche vielfältigen Möglichkeiten sich hier bieten, sich zu engagieren. Er war ein Gewinn für uns alle.“

Dr. Johannes Latsch