Ich habe versehentlich mal nachgedacht und ich glaube, mein Wecker hasst mich. Immer, immer klingelt das Gerät falsch. Gerade wenn ich noch mal bereit bin, in einen tiefen Traum zu gleiten, klingelt das Ding. Das Geräusch ist kein sanftes Streicheln über das Haupthaar sondern so gemein, als ob Bewehrungsstahl über eine Schiefertafel kratzt. Das macht der Wecker doch mit Absicht. Mein Nachbar schwört auf seinen Radiowecker. Doch auch seinen Wecker kann ich morgens durch die Wand hören. Es kann doch kein angenehmes Aufwachen sein, wenn dir die Lautstärke die Ohrmuschel in Fetzen rockt. Aber der Weck-Sender, den er ausgewählt hat, ist echt Spitze. Ich preise fast jeden Tag die Erfinder von Rolltreppe und Wasserklosett, doch der Erfinder des Weckers schließe ich nicht in meine Nachtgebete ein. Wie kann ein so kleines, unscheinbares Gerät nur so viel Macht über mich haben? Wenn ich nachts nicht schlafen kann, verhöhnt mich der Wecker. Dieser winzige Splint der eingestellten Weckzeit, zieht den Stundenzeiger magisch an und er flüstert mir den Countdown zu: Noch 3 Stunden, noch 2, noch eine Stunde bis zum Aufstehen. Das ist der blanke Horror. Ich gestehe mit gesenktem Kopf, dass ich meinen Wecker schon mal im hohen Bogen an die Wand geworfen habe. Er ging kaputt und ich habe verschlafen. Wer hat denn nun gewonnen? Der Wecker, denn ich musste mir einen neuen Schreihals kaufen. Im Markt stehen die Wecker nie unten im Regal, immer, immer auf Augenhöhe. Sie stehen zusammen, wie eine Bande geschulter Wegelagerer und grinsen dich mit ihren breiten Zeigern hämisch an. Wenn ich nachmittags ein Butzel-Bim-Bam-Schläfchen halte, dann klingelt der Wecker ganz anders, irgendwie freundlich. Das Aufwachen ist angenehm und die Welt in Ordnung. Ich werde wohl meinen Nachtschlaf auf den Nachmittag verlegen, dann ist alles viel lockerer zu ertragen, als in der Frühe.

Eurer Thorsten…und Servus