BERLIN –  Sebastian Urbanski, Selbstvertreter mit Down-Syndrom und Mitglied im Bundesvorstand der Lebenshilfe, erklärt zur Corona-Krise anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages am 21. März:

„Ich mache mir echte Sorgen! Darum, dass Menschen, die behindert und dazu oft auch krank sind, nicht mehr genügend Hilfe bekommen. Wenn sie jetzt tagsüber nicht mehr arbeiten gehen, zum Beispiel in einer Werkstatt, müssen sie zu Hause oder in ihrer Wohnstätte den ganzen Tag versorgt und begleitet werden. Das wird sehr schwierig. Und alle müssen so gut wie möglich vor dem Corona-Virus geschützt werden, ebenso wie ihre Betreuer, die in dieser Zeit ganz besonders wichtig sind.

Ich wünsche mir, dass auch Nachbarn und Freiwillige helfen, zum Beispiel mit Einkäufen. Oder dass sie Kontakt mit einer WG halten und den Bewohnern Mut zusprechen und für gute Laune sorgen. Das geht heute zum Glück ganz einfach, ohne persönliche Besuche. Man kann Fotos schicken oder ein kleines Video, das man selbst gemacht hat. Auf YouTube zeigen viele Sportvereine und Künstler tolle Videos, da kann man zu Hause dabei sein und sogar mitmachen. Auch Pläne für die Zeit nach Corona sollte man schon schmieden. Das macht Hoffnung. Dann fühlt man sich stärker und nicht so alleine.“

Sebastian Urbanski aus Berlin wurde Ende 2018 in den Bundesvorstand der Lebenshilfe berufen. Der 42-jährige gehört zum Ensemble des inklusiven Berliner RambaZamba-Theaters. Er war bereits in Fernsehfilmen zu sehen und synchronisierte Kinofilme. Am 27. Januar 2017 sprach er als erster Mensch mit Down-Syndrom im Deutschen Bundestag und erinnerte dort an die „Euthanasie“-Verbrechen im Nationalsozialismus.

Peer Brocke