Kostenfreie WLAN-Hotspots – Ortsflyer mit QR-Codes – fast 4.000 Jahre belegte Geschichte – Geburtsort weltweit bekannter Persönlichkeiten – umfangreiches Angebot an Aktivitäten, auch in Corona-Zeiten. Wo gibt es das? Verlässt man die Stadtgrenze von Mainz und fährt auf der L431 sechs Kilometer rheinaufwärts, dann erreicht man nach zehnminütiger Fahrt die 6.000-Seelen-Gemeinde Nackenheim. Am Roten Hang gelegen sieht man weithin ihr Wahrzeichen, die gelbe Pfarrkirche St. Gereon.

 

Nacho – Nacheim – Nackenheim

Carl-Zuckmayer-Straße mit dem barocken Rathaus und St. Gereon im Hintergrund – Foto: Ulrich Nilles

„Die Herkunft des Ortsnamens leitet sich nach neuesten Erkenntnissen wohl von dem Namen eines fränkischen Sippen-Oberhauptes mit dem Namen ‚Nacho‘ ab“, beschreibt Ortsbürgermeister René Adler den gegenwärtigen Forschungsstand. Das „Heim des Nacho“ kann auf eine sehr alte Geschichte zurückblicken.

Jungsteinzeitliche Funde belegen eine erste Besiedlung bereits um 2.200 v. Chr. in der „Fruchtgewann“. Auch die Römer (250 n. Chr.) und die Franken (580 n. Chr.) hatten sich in der Gemarkung niedergelassen. Die erste urkundliche Erwähnung von „Nacheim“ erfolgte 722 im Kloster Lorsch. Zu Anfang des 8. Jahrhunderts schenkte der Kölner Erzbischof seinen Nackenheimer Besitz an das neu entstandene St. Gereons-Stift, das 600 Jahre später an das Mainzer Stephans-Stift überging. 1615 wird Nackenheim dem Mainzer Kurfürsten unterstellt, 1816 dem Großherzogtums Hessen-Darmstadt.

Eine Ortschaft mit zwei Inseln

In der Rheinebene am Roten Hang gelegen begrenzen Nackenheim im Westen die Weinhänge des Rheinhessischen Tafel- und Hügellands, im Osten der Rhein. Zwischen Festland und Hauptstrom befinden sich der Mühlarm und die beiden Inseln „Kisselwörth“ und „Sändchen“, beide zum Gebiet von Nackenheim gehörig. Kisselwörth beherbergt heute eine Rettungsstation der DLRG und ein Strandbad, das die Nackenheimer während der Sommermonate gerne nutzen. Die Überfahrt an Wochenenden organisiert die DLRG. Im übrigen Jahr sind beide Inseln Naturschutzgebiete.

Gewerbe, Infrastruktur und Bildung

Partnerschaftsbaum Nackenheim – Pommard – Foto: Ulrich Nilles

Geht man im Herbst durch Nackenheim, steigt der Duft von Traubenmost in die Nase. Zehn Weinbaubetriebe befinden sich hier in überregional bekannten Weinlagen. Folgerichtig gibt es eine Reihe von Veranstaltungen rund um das Thema Wein und das weithin bekannte Weinfest „Im fröhlichen Weinberg“, zu dem jährlich Gäste aus Pommard kommen. Zu dem französischen Weindorf pflegt Nackenheim seit 1964 eine intensive Partnerschaft.

„Der Weinbau hat natürlich eine bedeutende und prägende Funktion für Nackenheim“, so René Adler. „Aber was die Grundversorgung unserer BürgerInnen betrifft, so ist vor Ort alles vorhanden.“ In der Tat zeigt die Internetseite der Gemeinde über 40 Gewerbe- und Dienstleistungsangebote in allen Bereichen. „Der tatsächliche Bedarf an angefragter Gewerbefläche ist enorm. Daher arbeiten wir an der Erschließung einer Gewerbefläche von zunächst ca. 4,4 Hektar im Unterfeld am Pappelwäldchen. Hier haben wir nachhaltige Unternehmen aus Nackenheim besonders im Blick“, skizziert Adler die Zukunftspläne der gewerblichen Erweiterung.

Neben einer intakten Infrastruktur verfügt Nackenheim, dessen Einwohnerzahl sich seit Anfang der 70-er Jahren fast verdoppelt hat, über vier Kindertagesstätten, ein Seniorenheim sowie eine Grundschule und ein Gymnasium.

„Wir wissen, dass der Bedarf an Wohnraum sehr hoch ist. Daher bereitet die Ortsgemeinde Nackenheim aktuell die Planungen für weitere Neubaugebiete vor, so Adler.

 

Weinbergsfahrt Im Fröhlichen Weinberg – Foto: Heimat- und Verkehrsverein Nackenheim

 

Feste Feiern und Vereine, Vereine, Vereine

Foto: Ulrich Nilles

Die Lebendigkeit eines Ortes spiegelt sich auch in der Feierfreude und seinem Vereinsleben wieder. Coronabedingt finden die folgenden Feste allerdings erst wieder 2021 statt:

  • Johannisfeuer mit Prozession zur Nepomuk Statue am 24. Juni
  • Weinfest am letzten Wochenende im Juli
  • Freilichtaufführungen der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft

Über die Ausrichtung der beiden Sommerfeste auf der Insel Kisselwörth im Juli und August war bei Redaktionsschluss noch nicht entschieden.

Und wo Feste sind, gibt es auch Vereine, über 40 Stück, die erfreulicherweise Jugend und Senioren ansprechen. Seien es Sportvereine, kulturelle Zusammenschlüsse, die Fastnacht u. v. a. m. Die Koordination der Vereinstermine übernimmt der „Vereinsring Nackenheim“. Eine besondere Funktion für die Ortsgemeinde hat der „Heimat- und Verkehrsverein“.

Freizeit – auch während der Corona-Zeit

Foto: Ulrich Nilles

Auch mit einer Reihe von Freizeitangeboten ist Nackenheim trotz der andauernden Pandemie gesegnet. Die Boulebahn in der Rheinstraße ist genauso geöffnet wie Lakis Freizeitanlage am Weidenweg mit Skaterbahn, Trampolin, Kinderspielplatz und diversen Sportfeldern. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von idyllischen Wanderwegen. Neben dem beliebten Spazierweg entlang des Leinpfads mit dem Sportboothafen sind dies

  • der Buttemännje-Wanderweg durch die Weinberge mit seiner schönen Aussicht am Ehrenkreuz/Rothenberg
  • der EichelsbachTalweg vorbei an Gärten, Wiesen und Obstplantagen
  • der ortsgeschichtliche Rundweg mit 31 historischen Stationen
  • der RheinTerassenWeg mit atemberaubender Aussicht auf den Rhein und die andere Rheinseite
  • der EuroVelo 15 – Rheinradweg für die, die es sportlich mögen

„Zu all diesen Wegen und vielem mehr werden wir in den kommenden Wochen eine neu gestaltete Tourismus-Broschüre an alle Haushalte in Nackenheim verteilen. Diese enthält QR-Codes, die ständig aktualisiert werden“, verrät der Ortsbürgermeister.

Zuckmayer und das „Muxum“

Foto: Ulrich Nilles

Über Nackenheim zu berichten, ohne seine berühmten Söhne zu erwähnen, wäre unvollständig. Da ist zunächst Matthias Pier (1882 – 1965), deutscher Industriechemiker mit weltweiter Bedeutung. Gefolgt von Eduard Zuckmayer (1890 – 1972) Musikpädagoge, Komponist, Dirigent und Pianist, der große Teile seines Lebens in der Türkei verbrachte. Und da ist natürlich sein jüngerer Bruder Carl (1896 – 1977), der Nackenheim 1925 mit dem Lustspiel „Der fröhliche Weinberg“ ein literarisches Denkmal von Weltgeltung.

Über die rheinhessische Familie Zuckmayer informiert im liebevoll von den Nackenheimer „Muxum“ genannten Ortsmuseum eine sehenswerte Dauerausstellung genauso wie zum Thema „Nackenheim – das Unterdorf geprägt vom Rhein“. Ein Besuch lohnt sich!

Ausblick

Und darauf freut man sich „Im fröhlichen Weinberg“ und trifft schon erste Vorbereitungen: auf den 125. Geburtstag Carl Zuckmayers 2021 und auf die 1.250-Jahrfeier des Orts 2022.

Wenn Sie sich über das Ortsgeschehen informieren möchten, dann besuchen Sie den Internetauftritt der Gemeinde unter www.nackenheim.de.

 

Ulrich Nilles