Am 21. April 2020 verkündete die rheinland-pfälzische Landesregierung die schrittweise Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts im Land. In der Öffnungsphase 2 waren auch ca. 34.000 Grundschülerinnen und Grundschüler der vierten Klassen betroffen. Ab 4. Mai 2020 konnten sie nach siebenwöchiger Corona-Pause wieder in ihre Schulen zurückkehren. Unter hohen Auflagen. Auch in der Carl-Zuckmayer-Grundschule Nackenheim ging es Anfang Mai wieder los. Wie der Neustart gelungen ist, darüber sprach Journal LOKAL mit dem Leiter, Rektor Daniel Römer.

Herr Römer, wie hat das Kollegium der Grundschule Nackenheim den Neustart aufgenommen?

Überwogen hat die Freude der Kolleginnen, “ihre” Schülerinnen und Schüler wieder “analog” unterrichten zu können. Damit ist ein wenig Normalität in den Unterrichtsalltag zurückgekehrt, die Schüler, Lehrer und Eltern so vermisst haben. Aber natürlich war die Ankündigung auch begleitet von vielen Fragen und Sorgen.

Der Neubeginn des Schulbetriebs war mir einer Reihe von Auflagen verbunden.

Neben den Auflagen für die Gesamtbevölkerung gibt es für den schulischen Bereich spezielle Vorgaben. Dies sind u. a.:

Foto: Ulrich Nilles

– kein Schulbesuch bei Hinweisen auf einen Infekt

– strenge Zugangskontrolle zum Schulgelände und Steuerung von Schülerströmen

– versetzte Anfangszeiten

– Bildung fester Lerngruppen mit fest zugeordneten Lehrkräften

– Vermeidung von Körperkontakten, u. a. Verzicht auf Sportunterricht

– Häufiges Händewaschen und regelmäßiges Lüften der Klassenräume

– täglich gründliche Reinigung und Desinfektion der Unterrichtsräume

Erzählen Sie unseren Leserinnen und Lesern von den Vorbereitungen.

Gesperrtes Außengelände der GS Nackenheim – Foto: Ulrich Nilles

Die größten Herausforderung waren die neue Taktung der Unterrichtszeiten, die Erstellung des Stunden- und Aufsichtsplans und eines Vertretungskonzepts. Klassen mussten geteilt werden. Es galt, die versetzten Unterrichts- und Pausenzeiten von täglich vier Lerngruppen zu regeln. Laufwege und Gebäudezugänge wurden in und außerhalb des Schulgebäudes durch Markierungen festgelegt, die Sitzplätze in den Klassenräumen in einem Mindestabstand von 1.50m angeordnet und wir haben uns über alle Situationen Gedanken gemacht, bei denen Staus entstehen könnten.

Und am 4. Mai standen 59 glückliche Kinder vor den Schultoren. Was hat sie dort erwartet?

Zunächst einmal hat sie dort ihre Klassenlehrerin erwartet. Vor dem Betreten des Schulgebäudes gaben wir ihnen viel Zeit, um mit den Lehrerinnen und ihren Mitschülern in der Schule anzukommen, ihre Ängste und Erfahrungen zu äußern, aber auch mit den verschiedenen Regeln vertraut zu werden.

Mittlerweile läuft der Unterrichtsbetrieb wieder. Welche Erfahrungen konnten Sie in den ersten Schulwochen sammeln?

Nach unseren bisherigen Erfahrungen gebührt unseren Schülerinnen und Schülern der 4. Jahrgangsstufe und der Notbetreuung ein großes Lob. Nahezu alle haben sich äußerst achtsam in die neuen Regeln eingefunden. Auch bezüglich der Unterrichtsorganisation hat sich die detaillierte Planung der Schulleitung und aller am Schulleben Beteiligten bewährt. Deutlich bemerkbar macht sich jedoch die Doppelbelastung des Kollegiums durch den Präsenzunterricht und das gleichzeitige “Homeschooling”.

In den vergangenen Wochen mussten 201 Kinder extern beschult werden. Wie hat die Eltern-Lehrer-Schüler-Gemeinschaft diese Herausforderung gemeistert?

Es gibt viel zu tun: Rektor Daniel Römer – Foto: Ulrich Nilles

In meiner Onlinebefragung zu ihren Erfahrungen mit unserem digitalen Unterricht in den Wochen vor Ostern, an der sich fast 75 % der Eltern beteiligt haben, bekamen wir von über 90% ein gutes bis sehr gutes Feedback, welches ich aber auch der Elternschaft gerne für ihren großartigen Einsatz im Homeschooling zurückgeben möchte. Wir schaffen diese Herausforderung nur gemeinsam! Trotzdem war uns klar, dass wir die Eltern im Homeschooling noch stärker entlasten wollen. Dazu haben wir nun ein Programm eingeführt, mit dem wir unseren gesamten Online-Unterricht bis hin zu Videokonferenzen weiter optimieren können.

Am 25. Mai kommen die Drittklässler dazu. Ist Ihnen bange davor?

Nein, auch wenn jede weitere Schulöffnung zusätzliche Probleme mit sich bringt.

Einen sehr viel größeren Respekt habe ich vor dem 8. Juni, wenn der Unterricht auch für die Kinder der 1. und 2. Jahrgangsstufe geöffnet wird. Fest steht, dass wir den Präsenzunterricht dann nicht mehr im gleichen Umfang werden anbieten können, wie wir es aktuell tun.

Herr Römer, Journal LOKAL bedankt sich für das Gespräch und wünscht dem Kollegium und Ihnen alles Gute bei der Bewältigung der bevorstehenden Aufgaben.

Die Fragen stellte Ulrich Nilles