BODENHEIM – „Ich bin extra wegen der Leonie früher gekommen“, oder “ Schnick – Schnack – Schnuck“, das hört sich nach dem Zusammenkommen von Kindern an. In diesem Fall von der D Jugend der Handballerinnen des TV 1848 Bodenheim mit ihrem Trainerteam Gerd Offer und Daniel Bulang. Nach neunwöchiger Pause im Shut Down durften die Sportvereine nämlich ab dem 18. Mai 2020 endlich wieder ihren Trainingsbetrieb aufnehmen. Unter strengen Coronaauflagen.

Seit diesem Tag fliegen wieder Handbälle, schwingen die Rope Scipper ihre Seile und Turner sowie Tänzer trainieren Bewegungsabläufe. Aber auch einige Breitensportangebote sind wieder gestartet, so z. B. Pilates, Nordic Walking und das Funktions-/Zirkeltraining. Alles allerdings unter strengen Auflagen: Hände waschen und desinfizieren vor Trainingsbeginn, Abstand halten, eigene Sport- und Spielgeräte mitbringen, kein Wettkampf- und Partnertraining.

„Unter diesen Bedingungen machen wir in erster Linie Kraft- und Ausdauertraining sowie Dehnungs- und Koordinationsübungen“, erläutert der Vereinvorsitzende Günter Achatz im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ballzuspiel ist untersagt, jeder bringt seine eigene Matte mit und die große Bodenturnmatte wird zwischendurch abgesprüht“, ergänzt sein Vorstandskollege Gerd Offer.

Alle sportlichen Aktivitäten finden ausschließlich im Freien statt. Das sind der Bodenheimer Sportplatz mit seinen Außenanlagen, die sich der TV mit dem VfB aufgeteilt hat. Das sind für die Nordic Walker die Weinberge und für das Funktionstraining der St. Albans-Platz.

Distanz auch beim Funktionstraining 50+ mit Tina Stoye – Foto: Ulrich Nilles

Rückblick

„Als das Vereinstraining Mitte März 2020 unterbunden wurde, haben wir im Vorstand gemeinsam überlegt, wie wir unsere Mitglieder mitnehmen, wie wir sie ansprechen können“, besinnt sich Günter Achatz zurück. Anknüpfungspunkt war die Aktivierung des bereits vorhandenen, aber bisher wenig genutzten Youtube-Kanals der TV 1848 Bodenheim. Hier stellten Trainerinnen Videos zum aktiven Mitmachen ein. So z. B. Nakisha Cannady mit einem Fitnessprogramm für Schulkinder und Elisabeth Hoffmann/Illona Neff sowie Tina Stoye mit jeweils einstündigen Aerobic- und Pilates Workouts. Mit Erfolg! „Die Menschen waren froh, dass sie zuhause etwas machen konnten“, fasst Achatz die Rückmeldungen zusammen.

Handballtraining unter Coronabedingungen – Foto: Ulrich Nilles

Auch der leistungsorientierte Sport ging neue Wege bei den Übungseinheiten. „Für die kleinen Handballer haben wir Koordinationsübungen ins Netz gestellt. Und unsere Turntrainerinnen Kerstin Sinsel und Nakisha Cannady haben Onlinetrainig mit der Turn-Talent-Schule und der Kürgruppe absolviert. Die ersten Mannschaften der Handballerinnen und der Handballer haben sich virtuell zum Training getroffen“, beschreibt Gerd Offer stolz die Entwicklung der letzten Wochen.

Sogar die Vorstandsarbeit lief positiv weiter. Via Telefon- und Videokonferenz fanden zwei Sitzungen statt, in denen man zusammen neue Ideen auch über die Corona-Zeit hinaus entwickelte. Vor allem die jungen, mit den modernen Kommunikationsformen vertrauten Vorstandsmitglieder konnten sich dort viel besser einbringen.

Und wie geht es weiter?

Ab 2. Juni 2020 dürfen die Hallen für Kleingruppentraining wieder benuzt werden, allerdings unter den gleichen strengen Auflagen wie beim Außentraining. Wegen fehlender Hallenkapazität können leider nicht alle Abteilungen des TV 1848 für den Trainingsbetrieb geöffnet werden. Aber Gruppen, die das möchten, dürfen während der Sommerferien durchtrainieren.

„Es wäre schön, wenn die Vorgaben nach den großen Ferien Schritt für Schritt gelockert würden, damit wir besonders bei den Sportarten mit Körperkontakt zurück in den Wettkampfmodus kommen“, verleihen Achatz und Offer ihrer Hoffnung Ausdruck.

Oberstes Ziel aber ist und bleibt das Gruppenerlebnis bei der gemeinschaftlichen sportlichen Betätigung.

Ulrich Nilles