BODENHEIM/NACKENHEIM – Nach 44 Jahren als Priester und nach 14 Jahren als Pfarrer in Bodenheim geht Pfarrer Paul Kollar zum 31. Juli 2020 in den wohlverdienten Ruhestand. In einem Gespräch mit Journal LOKAL blickt er zurück auf seine seelsorgerische Tätigkeit und äußert sich zur Zukunft.

Herr Pfarrer Kollar, geben Sie uns einen kurzen Einblick in Ihre Herkunft und Ihre seelsorgerische Tätigkeit.

Ich bin im rumänischen Banat, in Ebendorf (Stiuca), geboren und sehe mich als Abkömmling der Donauschwaben. Nach der Allgemeinschule in meinem Geburtsort besuchte ich für vier Jahre das kath. Gymnasium und studierte anschließend in Karlsburg (Alba-Iulia), Siebenbürgen. Dort wurde ich durch Bischof Marton Aaron 1976 für die Diözese Temeswar zum Priester geweiht. Als Kaplan und Pfarrer war ich danach für zwölf Jahre in Lugosch (Lugoj), in Giseladorf und Bethausen tätig. Ab 1984 war ich für zwei Jahre Pfarrer in der Gemeinde (Neu-)Arad. Nach der politischen Wende in Rumänien im Jahr 1990 bin ich ausgesiedelt und gleich in die Diözese Mainz gewechselt. Der Grund: in den Kirchenbüchern waren meine Ahnen (mütterlicherseits) mit Herkunftsort Herrstein bei Idar-Oberstein – einst eine dem Bistum Mainz zugehörige Pfarrei – eingetragen.

Stationen meines Wirkens in der Diözese Mainz: Dieburg, Dreieich, Langen, seit 2006 Bodenheim und 2018 auch Nackenheim.

Seit 14 Jahren sind Sie Seelsorger in der Pfarrei St. Alban, Bodenheim. Wenn Sie zurückblicken, was bleibt Ihnen nachhaltig in Erinnerung?

Gottesdienst anlässlich des BOB-Jubiläums 2019 – Foto: Ulrich Nilles

Mein Eindruck ist sehr differenziert. Es sind zuerst die Menschen, die ich als sehr offen, fleißig, interessiert und hilfsbereit, aber auch als sehr spontan und direkt wahrgenommen habe. Und dann ist da auch noch das ganze Umfeld, von der Gegend bis hin zur Lebensart, die ich genossen habe und schon jetzt vermisse.

In einer Pfarrei bzw. Pfarrgruppe als Pfarrer tätig zu sein umfasst mannigfaltige Aufgaben. Geben Sie uns einen kleinen Einblick.

Zu den Aufgaben eines Pfarrers gehört nicht nur das Planen und Leiten von Gottesdiensten, sondern auch die Seelsorge durch die Spendung der Sakramente bis hin zu den verschiedene Unterrichtsarten. Nicht zuletzt zählt die organisatorische und finanzielle Führung der Gemeinde auch zu seinen Aufgaben.

Zugleich wurden mir überpfarreiliche Aufgaben, nämlich die Aussiedlerseelsorge in der Diözese Mainz sowie eine Aufgabe in der Deutschen Aussiedlerseelsorge übertragen. In der Aussiedlerseelsorge bleibe ich auch noch über meine Verrentung hinaus tätig.

Welche Aufgabe lag Ihnen in Bodenheim und während Ihrer ganzen Berufstätigkeit als Priester besonders am Herzen?

Wenngleich es leider oft die Verwaltung war, die mir in all den Jahren in der Pfarrgruppe Bodenheim und Nackenheim die meiste Zeit raubte: „Mit dem Herzen zu sehen“ und ein offenes Ohr für die Anliegen und Sorgen der Menschen, für Groß und Klein, Jung und Alt zu haben, in allen Bereichen der Seelsorge da zu sein, war mir trotzdem wichtig. Bei allen Annahmen und Ablehnungen habe ich auch versucht, bei allen Aufgaben authentisch zu bleiben.

Bei der Getränkeausgabe des letztjährigen Martinszugs – Foto: Ulrich Nilles

Während eines langen und erfüllten Berufslebens begegnet man sehr vielen und sehr unterschiedlichen Menschen. Auf welche Begegnung schauen Sie besonders dankbar zurück?

Sehr viele verschiedene Menschen waren mir in meinem Berufs- und Priesterleben als Begleiter, als Beziehung, als Unterstützer, als Freunde durch ihr Dasein Haltepunkte, Kraftquellen. Namen aufzuzählen wäre hier utopisch, aber besonders dankbar schaue ich auf all solche Begegnungen, die auch noch im Bezug mit Christus standen.

Die Gemeinschaft der christlichen Kirchen befindet sich in unserer individualisierten Zeit in einer schwierigen Phase. Sehen Sie Lichtblicke am Horizont?

Auch wenn man in unserer Zeit oft nur die in die Wunden der Kirche gelegten Finger sieht: darüber hinaus gibt es noch so viele positive Seiten der Kirche, die nicht nur die individualisierte Zeit überstehen werden, sondern für eine gemeinschaftliche Zukunft sorgen, zum Beispiel das Engagement der Kirche bei einer geistig-geistlichen Erneuerung der gesamten Welt, bei den Friedens- und Umweltbestrebungen und in den vielem Bereichen, in denen die Menschen Formen des Ausdrucks guter Beziehungen entdecken.

Man soll keine Ratschläge erteilen. Möchten Sie Ihrem Nachfolger, Herrn Kaplan Christian Kaschub trotzdem etwas mit auf den Weg geben?

Für meinen Nachfolger, Christian Kaschub, ist es seine erste Pfarrstelle. Er geht schon seit seiner Ernennung mit viel Elan an die Arbeit und ich vertraue darauf, dass er auch seine Aufgabe gut machen wird. Ratschläge, das wären auch nur Schläge, vor denen man ihn verschonen möchte.

Am 1. August beginnt Ihr wohlverdienter Ruhestand. Haben Sie besondere Pläne?

Ich werde bestimmt nicht mit „großen Plänen“, mit der Einstellung „Ich habe Ideen, ich habe Forderungen“ in den Ruhestand gehen. Ich reise und wandere gerne, habe einen festen Freundeskreis, werde in Haus und Hof vieles an Tätigsein finden und werde auch als Pfarrer im Ruhestand (Pfarrer in Reichweite) bestimmt noch seelsorgliche Aufgaben wahrnehmen können.

Herr Pfarrer Kollar, Journal LOKAL dankt Ihnen für das Gespräch und wünscht Ihnen Gottes Segen für Ihre persönliche Zukunft.

Die Fragen stellte Ulrich Nilles