„Systemrelevant“ – ein Begriff, der in aller Ohren ist. Systemrelevant ist ein Begriff, der bei großen Krisen immer wieder herangezogen wird, so zum Beispiel bei der Finanzkrise 2017 und auch aktuell immer wieder in der jetzigen Krise. Als systemrelevant werden Pflegekräfte sowie medizinisches Personal bezeichnet. Aber auch Lebensmittel-Einzelhändler und Logistik-Unternehmen zählen dazu. Im Prinzip ist das ja ganz einfach: Wir müssen etwas zu essen haben und gesund bleiben, alles andere ist Nebensache. Aber ist das wirklich so? Ist alles andere Nebensache? Lassen Sie doch einfach einmal die letzte Zeit Revue passieren. Die meisten von uns werden feststellen, dass sie unter dem fehlenden oder eingeschränkten sozialen und kulturellen Austausch leiden. Die Meisten von uns vermissen schmerzlich Genuss und Unterhaltung in Form von Theater, Musik und/oder Sport.

Diese Einschränkungen schränken aber nicht nur unseren persönlichen Wohlfühl-Faktor ein. Sie treiben eine ganze Branche buchstäblich in den Ruin. Deren Akteure müssen gegenwärtig und wohl mindestens bis zum Herbst vom Ersparten, von Krediten, von Hartz IV oder einfach von „der Hand in dem Mund“ leben. Denn normal arbeiten können die meisten dort nicht, kostendeckend schon gar nicht.

In der „Night of Light“ hat die Branche aktuell versucht, mit einer bundesweiten Aktion auf ihre Misere aufmerksam zu machen. Hierbei waren in vielen Städten Deutschlands am Montagabend rot angestrahlte Gebäude zu sehen: Mit leuchtenden Mahnmalen wollte die Veranstaltungsbranche auf ihre prekäre Lage in der Corona-Krise hinweisen. Neben finanziellen Hilfen ist aber auch ein Umdenken in unseren Köpfen nötig: Kultur & Events sind ein elementarer Teil unseres Lebens, und nicht nur nebensächliches Entertainment. Unabhängig davon verdienen viele hunderttausende Menschen Ihren Broterwerb damit, und sie stehen teilweise vor dem Nichts. Ist das eine Frage von Systemrelevanz?

Fest steht: Sowohl die Veranstaltungsbranche als auch die aktuell als „systemrelevant“ eingestuften Menschen können sich von unserem Beifall oder Mitgefühl nichts kaufen. Solidarität und politische Unterstützung wären ein erster und dringender Schritt.

Herzlichst Ihr
Ekkehard Schenk
Verleger