VG BODENHEIM – Das Thema ist allgegenwärtig – Hochwasser und Starkregen. Hochwasser beschäftigt uns als Anlieger des Rheins. Die in den letzten Jahren fertig gestellten Deicherhöhungen im Bereich Bodenheim und Nackenheim sollen die Auswirkungen minimieren. Natürlich gibt es die sogenannten 200-Jahr-Hochwasserlagen – aber die sollen nur alle 200 Jahre kommen. SOLLEN! Allein über Weihnachten 1993/ 1994 gab es an Rhein, Main, Nahe und Mosel gleich zwei dieser enormen Hochwasser, so dass der Kaiser auf dem Deutschen Eck innerhalb von drei Wochen gleich zweimal bis zum Bauch im Wasser stand. Was das für die Anwohner der genannten Flussbereiche bedeutet, kann sich jeder ausmalen.

Die Experten von Land und VG Bodenheim sehen die Gefahr durch die Ertüchtigung der Deiche als geringer an, als noch vor 10 Jahren. Hochwasserschutz-Einrichtungen sind gerade in Nackenheim an den Straßen längs des Rheins errichtet worden. Die Deichwehr ist aufgestellt und wird ausgebildet. Die Deiche sind so erhöht worden, dass sie die Menge jenes 200-jährigen-Hochwasser plus 80 cm aufhalten können – sofern im Oberrhein die Polder geöffnet werden.

Bei Starkregen sind die Kanalsysteme überfordert

Anders sieht die Situation im Fall von Starkregen aus: wenn in kurzer – vermutlich eher kürzester – Zeit, 30 und mehr Liter pro Quadratmeter fallen, sind die Kanalsysteme überfordert. Das Wasser sucht sich andere Wege und nutzt alles, was tiefer liegt – zum Beispiel Kellerräume. Allein in Bodenheim gab es in den letzten 10 Jahren zwei Situationen mit Starkregen, der den Bereich vor dem Bahnhof bis zur Gartenstraße hinauf überflutete. Und es gab schon Ereignisse mit 150 Liter in 3 Stunden mit den schlimmsten Auswirkungen.

Für den Abtransport des Regenwassers in der VG Bodenheim ist die Abwasserwirtschaft Mainz mit ihrem Kanalsystem zuständig. Die Sinkkästen in den Gullys werden zwar regelmäßig gereinigt, verschmutzen jedoch schnell wieder. Die großen Ackerflächen längs des Rheins und die Naturschutzgebiete sollen die Wassermengen ebenfalls aufnehmen und speichern.

Mehrere Pumpstationen in Bodenheim und Nackenheim pumpen das Wasser bei Starkregen in die Gräben – z.B. Eichelsbach – damit das Wasser Richtung Rhein abfließen kann. In einige der Pumpstationen sind Notstromaggregate für einen gesicherten Betrieb eingebaut worden.

Situation 1: Der Starkregen fällt im Nahbereich und lässt dadurch die Flüsse anschwellen.

Situation 2: Erhebliche Regenmengen fallen in den Quellbereichen der Flüsse (z.B. den Alpen) und lassen dadurch die Flüsse anschwellen.

Beides kann für die Anrainer fatal werden.

Starkregen wird laut Wetterexperten zunehmen. Die Menge an Regen – wenn er denn mal fällt – wird nicht weniger, er kommt nur in kürzerer Zeit zu Boden.

Aus dieser Gemengelage heraus ist das Ingenieurbüro „pecher und icon“ beauftragt, ein Hochwasser-Vorsorgekonzept für das Gebiet der VG Bodenheim zu entwickeln.

Ortsbegehung in Nackenheim

Hierzu gab es fünf Vororttermine, der letzte fand in Nackenheim statt. Bei allen Terminen konnten auch die Bürger dazu kommen. Heinrich Webler – Sachverständiger für Wasserbau und Wasserwirtschaft – vom Ingenieurbüro ging auf alle Hinweise ein und schaute sich die Situation direkt vor Ort an. Insbesondere macht den Bürgern Sorge, dass die Gräben zugewachsen und verschlammt sind, sodass sie keine großen Mengen an Wasser aufnehmen und vor allem nicht Richtung Rhein weiterleiten können.

Unter dem Gestrüpp verläuft ein Baulauf – bei Hochwasser kann er kein Regenwasser aufnehmen und abtransportieren.
Foto: Wolf-Ingo Heers

Ortsbürgermeister René Adler (Nackenheim): „Wir haben zu unseren Lasten einen Teil des Eichelsbach von Grünbewuchs und Schlamm befreien lassen. Jetzt nach einem halben Jahr ist das kaum noch erkennbar. Auch wurde der Bachlauf im Bereich zwischen Wohngebiet und Angelweiher von den Ablagerungen befreit. Dieser ist auch wieder aufgefüllt.“

Die Instandhaltung der Gräben im Gebiet der VG Bodenheim mit seinen fünf Ortsgemeinden liegt im Zuständigkeitsbereich der Verbandsgemeinde.

Heinrich Webler: „Der Regen fällt in den höheren Bereichen der Orte (Rheinterrasse) – z.B. Mühlberg oder Kreuzberg – und fließt dann Richtung Rhein und trifft in Bodenheim und Nackenheim mit dem dort gefallen Regenwasser zusammen. In den Böden versickern kann der Regen kaum: zu viele Stellen sind versiegelt oder durch die Trockenheit nicht aufnahmefähig. Es gibt einen Rückstau, der zu lokalem innerörtlichen Hochwasser führt.“

Das Programm des Landes Rheinland-Pfalz „Aktion Blau plus“ unterstützt die Verbandsgemeinden mit Zuschüssen bei der Instandhaltung sowie der Renaturierung der Gewässer. Auch die Bürger profitieren davon: Die Beratung für anstehende Hochwasserschutzmaßnahmen im Privatbereich werden ebenfalls bezuschusst, leider die Maßnahme selbst dann nicht mehr. Mehr dazu über die VG Bodenheim, hochwasser@vg-bodenheim.de.

Heinrich Webler: „Polder ist top, Pumpwerke sind top, die Zubringer (Gräben) und die Areale sind nicht so gewartet, dass sie die Regenmassen im Bedarfsfall aufnehmen können. Ein Hinweis an die Hausbesitzer: Schließen Sie auf alle Fälle eine Elementarversicherung für Hochwasser aus Regen und Rhein ab!“

Wolf-Ingo Heers