HECHTSHEIM – In der katholischen Kindertagesstätte „St. Pankratius“ in der Ringstraße 27 im alten Ortskern von Hechtsheim konnte zwischen dem ersten „Lockdown“ angesichts der Corona-Pandemie im Frühjahr und dem zweiten, immer noch andauernden „Lockdown“ in diesem  Herbst noch im  Oktober innerhalb von vier Wochen das Kunst- und Mal-Projekt „Farbenspiel“ erfolgreich durchgeführt werden. Die extra dafür angeheuerte Mal-Therapeutin und Kunst-Pädagogin Susan Bobisch vom „Burgatelier“ aus Dattenberg trainierte und lehrte gemeinsam mit den Erzieherinnen und Erziehern in der Kita „begleitetes Malen an der Staffelei“.

Die Kinder konnten im Projekt anders als sonst, während einer spielerisch verlaufenden Schulung, im Stehen von einer mehrere Meter langen begehbaren Palette aus mit speziellen leuchtenden und riechenden Farben, die im Auftrag viel dicker und satter als die sonst üblichen Wasserfarben, Filzstifte oder Wachsmalstifte waren, zeigen was sie drauf haben. Susan Bobisch nahm sich eigens für jedes Kind die notwendige Zeit von der ersten Idee, zur Vorüberlegung und Skizze, über die eigen-kreative technische und künstlerische Umsetzung mit dem Pinsel an der Staffelei, bis hin zur finalen Fertigstellung des neuen Meisterwerks. Zur Auswahl standen den Kindern im Arbeitsprozess insgesamt  zwölf wasserlösliche Farben, sogenannte „Gouache“-Farben und die Sonderfarben Gold und Silber, die interessanterweise von vielen Kindern im Projektverlauf  bevorzugt wurden.

Alles begann Anfang Oktober mit einer einleitenden Sitzung von Susan Bobisch zusammen mit den Kindern, in der alle Fragen der Kindergartenkinder zum Projekt von ihr fachkundig sondiert und beantwortet wurden. Danach trieb die Pädagogin mit viel Enthusiasmus, Elan und vitalem Esprit das umfangreiche Kunst-Projekt in der Kita voran. Das Atelier baute sie im Keller der Kita in einem eigens dafür hergerichteten Raum auf. „Es war richtig was los und den Kindern und mir hat es einen riesigen Spaß gemacht!“, so Susan Bobisch heiter und fröhlich im Fazit. „Die kleinen Künstler standen bewusst nie in Konkurrenz zueinander, sondern die kreative Förderung und das Aus- und Erleben jedes einzelnen Kindes standen im Vordergrund, entsprechend seiner ganz eigenen und individuellen Fähigkeiten! Ganz nach dem Motto: Jeder kann malen und es gibt kein richtig oder falsch oder besser oder schlechter!“, setzte die langjährige Leiterin der Kindertagesstätte, Barbara Gauly, noch erklärend hinzu. Gauly zeigte sich zudem angesichts einer zum Abschluss stattfindenden Ausstellung der vielen, im Laufe der zahlreichen Projekttage hervorgezauberten Gemälde ebenfalls sehr glücklich und erfreut über den erfolgreichen Gesamt-Verlauf des Projektes und den überaus vielseitigen, sehr kunstvollen kreativen Output. Die Eltern hatten am Ausstellungstag in der Kita selbst und auf einem extra angelegten Bilder-Parcours rund um das Kita-Gebäude herum die willkommene Gelegenheit, die sehr farbenfrohen und ungewohnt ausdrucksstarken Meisterwerke Ihrer Zöglinge zu begutachten und zu bestaunen.

Das Gemälde von Jakob von der Kindertagesstätte „St. Pankratius“ zeigt ein buntes Eskimo-Iglu, drei zu Eis gefrorene Herzen und eine gleißend- feuerrote Sonne. Rätselhaft und zugleich sehr expressiv, oder?

„Für Kinder ist es eines der natürlichsten  Bedürfnisse, ihre Erlebnisse, Empfindungen und Themen durch das Malen zu verarbeiten und zum Ausdruck zu bringen.“, erklärte Susan Bobisch dann noch weiter im Interview am Ausstellungstag, und sie setzte  hinzu: „Es ging hier in unserem Projekt darum, die Umwelt für sich „greifbar“ zu machen!“ Was sie damit meinte, ist einfach gesagt, dass die Kinder von der Kita „St. Pankratius“, beim Malen das individuell Bedeutsame sichtbar machen konnten: Ihre Sorgen, Ihre Probleme, Ihre Wünsche und ihre Träume. Ganz einfach! Und genau das konnte schließlich auch ausgiebig mit ihnen detailliert besprochen werden. Kleine Klappentexte mit Auszügen aus diesen hochinteressanten „Atelier- Gesprächen“ oder „Bildbesprechungen“ mit den kleinen Malerinnen und Malern wurden bei der Ausstellung unter vielen der ausgewählten Gemälde aus der zurückliegenden “Kreativ- oder Schaffensphase“ auf einem Zettel notiert.

Bei dem sechs Jahre alten Jakob waren auf der  Leinwand ein Iglu in weißen und blauen, zudem aber auch vielen anderen, buntgemischten Farbtönen und drei zu Eis erstarrte, bzw. zu bläulich-weißem Eis gefrorene  Herzen neben zahlreichen anderen, bunten Herzen zu sehen und deutlich kontrastierend dazu eine  gleißend- feuerrote Sonne, die von Jakob sehr farbgewaltig und energiegeladen in den Farben Orange und Rot ausgestaltet wurde. Spricht daraus nicht vielleicht die Hoffnung Jakobs und der Kinder von der Kita „St. Pankratius“, dem zweiten „Lockdown“ zusammen mit den Eltern genauso wieder ins Freie und in die Kita zurück zu entkommen, wie nach dem ersten „Lockdown“? Und neben dem könnte eine Frage zum Bild von dem kleinen Maler Jacob etwa so lauten: Wie schön warm und gemütlich wird es in einer 2. Eiszeit für drei frierende Herzen in einem Iglu? So könnte zumindest ein Ansatz für eine Interpretation unter vielen, möglichen anderen lauten, oder nicht?

Henning Berg