LAUBENHEIM – Auch im 21. Jahrhundert, in dem eine Vielzahl von Organisationen und Parteien das Thema „Ökologie“ auf ihre Fahnen schreiben, ist Umweltverschmutzung ein unübersehbares Problem. Gemeint sind an dieser Stelle nicht die CO2 ausstoßende Schornsteine und Kraftfahrzeuge. Konkret angesprochen wird hier die Vermüllung der uns unmittelbar umgebenden Landschaft. Journal LOKAL hatte einen Vormittag die Gelegenheit, das Laubenheimer Umwelt-Team (LUT) zu begleiten.

Montag, 19. April, 8.45 Uhr. Schaufel, Rechen, Eimer, Müllgreifer, Bottiche und Müllbeutel werden aus dem Keller des Wilhelm-Spieß-Hauses Laubenheim hochgetragen. Ein Kleinlaster der Firma Zoeller fährt vor. Fünf Mitgliedern des LUT beladen ihn. Dann geht es los Richtung Erich-Koch-Höhenweg, Corona-bedingt mit Maske und mehreren Fahrzeugen. An fünf Stationen werden die aufgestellten Mülleimer geleert und mit neuen Müllsäcken bestückt. Alles wirkt erstaunlich sauber, bis wir das Wingertshäuschen betreten. Es lässt sich mit Worten nicht beschreiben, wie vermüllt, versifft und verkommen dieser Ort aussieht, der doch eher zum Verweilen einladen soll. Hätte man keine Partyutensilien (Alkohol, Zigaretten usw.) dabei, man würde hier reichliche fündig werden.

Das Wingertshäuschen: möchte man hier Platz nehmen? – Foto: Ulrich Nilles

Weiter geht es zum Gebiet Dammweg – NATO-Rampe. „Dieses Gebiet ist unsere Problemzone“, warnt mich Wolfgang Stampp, Gruppensprecher der AG LUT vor. Und weiter: „Besonders die NATO-Rampe ist ein beliebtes Partygebiet mit den entsprechenden Hinterlassenschaften. Auch die Lkw-Fahrer, die dort im Halteverbot parken, entsorgen ihre Abfälle unauffällig im Grünen.“ Und in der Tat wurde das Umwelt-Team hier fündig:

vorher – nachher – Foto: Ulrich Nilles

  • 15 Bündel Wochenblätter der vorletzten Woche am Riedweg
  • Sperrmüll einer Wohnungseinrichtung an der Trafostation
  • ein Sortiment an Behältnissen von aufgebrauchten Haushaltsgegenständen
  • große Plastik-Wasserbehälter, Mülltüten, Essensabfälle hinter der Leitplanke am Dammweg/Ecke NATO-Rampenzufahrt
  • ein 50-Liter-Plastikbehälter und wild verstreuter Müll im Gebüsch

„Wir haben hier auch schon jede Menge Autoreifen und mit Öl gefüllte Rasenmäher gefunden“, konstatiert Ralf Geißner. Hierbei handele es sich nicht um kleine Ordnungswidrigkeiten, sondern um Umweltstraftatbestände.

Nach getaner Arbeit: Peter Pferdekemper, Ralf Geißner,Brigitte Nossack und Wolfgang Stampp – Foto: Ulrich Nilles

Das traurige Ergebnis der Sammelaktion von Brigitte Nossack, Ralf Geißner, Peter Pferdekemper, Klaus Rank und Wolfgang Stampp nach ihrer dreistündigen Mülltour durch Laubenheim 15 Säcke Restmüll, 15 Glasflaschen zuzüglich der oben genannten Sammelstücke. Bedingt durch die Schließung des Wertstoffhofs der Emy-Roeder-Straße in Mainz werden die Säcke in einem eigens für das LTU aufgestellten Container entsorgt. Wegen des Sperrmülls setzt sich der stellvertretende Ortsvorsteher Paul Stenner mit der Stadt in Verbindung. Und den Kleinlaster desinfiziert Peter Pferdekemper vor Rückgabe vollständig Corona-gerecht.

Noch ein paar Zahlen zum Abschluss

Das Laubenheimer Umwelt-Team wurde 2011 gegründet. Die Anregung hierzu kam aus Gau-Odernheim. Inspiriert durch die dortige Initiative leitete Ortsvorsteher Gerhard Strotkötter gemeinsam mit dem damaligen Grün- und Umweltdezernenten Wolfgang Reichel die Gründung in die Wege. Der Recyclinghof Mainz-Süd in der Emy-Roeder-Straße wurde als Müllannahmestelle festgesetzt und die Laubenheimer Firma Zoeller stellte von Anfang an ein kostenfreies Fahrzeug zur Verfügung.

Damals wie heute besteht das Team aus acht bis zehn Personen. Verstärkung ist herzlich willkommen. Wöchentlich fahren zwei Teams montags zwischen 9.00 und 12.00 Uhr festgelegte Routen ab und sammeln den Müll ein, den die städtische Müllabfuhr nicht entsorgt.

Und das sind die Zahlen zwischen 2011 und 2020: bei 335 Einsätzen und 3.475 Arbeitsstunden wurden insgesamt 46.300 Kilogramm Müll gesammelt. In 2020 kamen 311 Müllsäcke, 417 Glasflaschen und Sperrmüll hinzu. Betrug der auf dem Recyclinghof in 2011 abgelieferter Müll „noch“ 3.550 Kilogramm, so waren es 2019 schon 6.090 Kilogramm. Tendenz?

Alles in allem eine beschämende Bilanz für ein so hochentwickeltes, sich umweltbewusst gebendes Land wie Deutschland.

Ulrich Nilles

Save the date: am Samstag, dem 11. September findet der „Rhinecleanup 2021“ in Laubenheim statt. Näheres unter: www.rhinecleanup.org/de.