BI „Kein Klärschlamm“: Warum lädt die Stadt sich das auf?

Mombach – Mittlerweile hat die EU Kommission in Deutschland Handlungsbedarf angemahnt, da in vielen Gebieten, darunter Mainz, die zulässigen Stickstoffdioxidwerte zu stark überschritten werden. Laut der europäischen Umweltagentur werden jährlich über 10.000 Todesfälle allein in Deutschland der Wirkung der Stickoxide zugerechnet. „Wenn man auf einer Seite das Dieselfahrverbot so dicht vor Augen hat wie Mainz, warum lädt man sich dann noch so viele Fremdschadstoffe auf, fragt Hans Pracht von der BI „Kein Klärschlamm“ im Gespräch mit der Lokalen Zeitung. Wo Greenpeace anführt, dass die schlechte Luft in Mainz zu riechen sei und dass Dieselabgabe krank machen, baut die Stadt noch eine Klärschlammverbrennungsanlage, deren wirtschaftlichen wie ökologischen Sinn die Bi mit Ralf Gerz an der Spitze stark anzweifelt.

„Mainz ist durch Stickstoffoxide stark belastet, wir stehen schon auf der Kippe. Wollen wir wirklich ein Dieselfahrverbot provozieren“, so Pracht weiter. Zu Verifizierung seiner Behauptungen hat ein Fachmann vom TÜV sich im Auftrag der BI die Genehmigungsunterlagen für die Klärschlammverbrennungsanlage besorgt und geprüft. Und er hat herausgefunden: Bei einer Inbetriebnahme der geplanten Anlage am Standort Mombach werden stündlich 2.800.000 mg Stickoxide in die Luft gelangen, und durch die Verbrennung wird sich das Risiko der Überschreitung der Grenzwerte deutlich erhöhen. „Das ist so viel wie 1500 Dieselfahrzeuge der Euronorm 5 mit einer Fahrstrecke von 10 Kilometern. Da kurzfristig auch das Vierfache ausgestoßen werden darf, entspricht dies sogar 6000 Dieselfahrzeugen.“ Um gleiche Umweltdaten wie heute zu erhalten, müssten also nach Inbetriebnahme der Verbrennungsanlage stündlich 1.500 Dieselfahrzeuge weniger in die Stadt fahren.

In einem Schreiben an den Oberbürgermeister der Stadt Mainz, die Dezernenten und Stadtratsmitglieder hat Hans Pracht nun gebeten, die in der Stadt Mainz neu entstehende Gesamtsituation zu bewerten. Insbesondere gehe es darum, sich Gedanken zu machen, ob eine Notwendigkeit besteht, hier eine Klärschlammverbrennungsanlage zu betreiben, bei der das Verbrennungsvolumen aus 85 Prozent fremd angeliefertem Klärschlamm besteht. „Nur die restlichen 15 Prozent sind Mainzer Hinterlassenschaften“, sagt Pracht. „Wird ein Dieselfahrverbot verhängt, hat das gravierend negative Folgen für die Wirtschaft, und das für eine Sache, die wir gar nicht brauchen.“