
KLEIN-WINTERNHEIM – Haben Dörfer und Städte Gesichter? Vermutlich ja, zumindest bildlich gesprochen. Häuser und Fassaden prägen das Gesicht, das sich – mal schneller, mal langsamer – verändert. Gebäude werden umgebaut, andere verschwinden, andere bleiben wiederum über Generationen erhalten. Auf die Spuren des Wandels in Klein-Winternheim haben sich Bodo Witzke und Werner Eckert begeben. Entstanden ist über Jahre das Buch „Klein-Winternheim – das ‚alte Dorf‘“. Witzke fotografierte die historischen Häuser, Eckert recherchierte ihre Geschichten.
Die beiden früheren Fernsehjournalisten aus Klein-Winternheim haben es sich privat zur Aufgabe gemacht, vorhandene, verschwindende und verschwundene Spuren des alten Dorfes zu dokumentieren. Unterstützt wurden sie dabei vom örtlichen Geschichtsverein. Das Buch verknüpft die Spurensuche mit einem Anliegen: Was von der Geschichte des Dorfes in Stein, Lehm und Holz erhalten geblieben ist, soll wahrgenommen und möglichst bewahrt werden.
Sehr gut angekommen ist das Werk bei der Ortsgemeinde und Ortsbürgermeister Oliver Saling. Er nahm die ersten Exemplare des Buches entgegen. Saling ist in Klein-Winternheim aufgewachsen und kennt die abgebildeten Häuser seit seiner Kindheit. „Das Buch nimmt mich auf eine Gedankenreise mit“, sagte er. Beim Betrachten der Fotografien müsse er auch an die Menschen, die in den Häusern gelebt haben, und an deren Geschichten denken. Den Wert des Buches sehe er darin: Es könne Neubürgern ebenso wie Alteingesessenen einen Blick auf den Ort und seine Geschichte ermöglichen.
Doch was bedeutet das Bewahren in Klein-Winternheim praktisch? „Historische Bauten angemessen zu erhalten, ist eine Herausforderung für die Gemeinde“, räumt Saling ein. Notwendige Modernisierungen müssten möglich bleiben und die Rechte der Eigentümer respektiert werden. Gleichzeitig wolle die Gemeinde das vertraute Ortsbild erhalten. Das gelte besonders für die Gebäude und Fassaden, die unmittelbar das Straßenbild prägen. Dabei bleibt er optimistisch: Mit dem nötigen Gespür ließen sich viele Menschen davon überzeugen, bei Veränderungen auch das gewachsene Ortsbild im Blick zu behalten. Dazu zähle auch die Absicht, die Neubauten in den Dorfkern einzufügen.
Wenn ihr Buch dazu beiträgt, das Bewusstsein für den Erhalt des Dorfes zu stärken, hätten sie ihr Ziel erreicht, kommentierten die Autoren die Werkintention. Spaß bereitete ihnen die Arbeit daran allemal. Witzke verglich die Suche nach dem richtigen Blickwinkel und dem passenden Licht für die Kamera mit einer Neuentdeckung von Klein-Winternheim. Eckert begab sich auf die Spurensuche in die Archive von Franz Josef Becker. Witzke und Eckert beschreiben ihn als einen unermüdlich Chronisten des Ortes und haben ihm das Buch gewidmet.
In den Texten, Fotografien und dazwischen verbargen sie auch ihre persönliche Bindung an Klein-Winternheim. Witzke, ehemaliger Dokumentarfilmer beim ZDF, kam vor mehr als 30 Jahren nach Klein-Winternheim. Der Ort sei längst seine Heimat, sagte er. Durch die Arbeit am Buch habe er die Bindung aber noch stärker empfunden.
Eckert kennt Klein-Winternheim seit seiner Kindheit. Der ehemalige Umwelt-Redaktionsleiter des SWR wuchs im Ort auf einem Bauernhof auf und erlebte dessen Veränderungen über Jahrzehnte. Nicht jede Entwicklung sei zum Guten gewesen, sagt er. Auch ihm liegt der Ort am Herzen. Sein Motto spielt mit der Vorstellung von einer bestimmenden Wirkung der Zeitachse: „Nur wer die Geschichte kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“
Den Schritt, der das Betrachten und Bewahren auf die Zukunft hin öffnet, wollen die Autoren mit den Lesern gehen. Sie laden alle ein, ihren eigenen Blick auf das „alte“ Klein-Winternheim zu teilen. Mit einem ähnlichen Vergleich ergänzte Ortsbürgermeister Saling die Buchvorstellung: Das Buch gebe Einblicke in die Vergangenheit aber auch in die Zukunft.
Das Buch umfasst etwas mehr als 80 Seiten im Format 21 mal 21 Zentimeter und ist im Buchhandel als Softcover- und als Hardcover-Ausgabe erhältlich. Als Herausgeber fungiert der Geschichtsverein Klein-Winternheim, der die Autoren über das Archiv Becker und auch sonst unterstützt hat. Erschienen ist es bei Books on Demand und kann in jedem Buchladen aber auch im Onlineshop von Books on Demand erworben werden. Die Autoren verdienen am Buch nichts.
Gregor Starosczyk-Gerlach
Info:
Das Buch „Klein-Winternheim – das ‚alte Dorf‘“ ist in folgenden Formaten erschienen:
E-Book: ISBN-13: 9783696344412, 9,99 Euro
Softcover: ISBN-13: 9783696359454, 28 Euro
Hardcover: ISBN-13: 9783695712298, 49 Euro





















