Start Mainz-Finthen Ein Rinnsal ist kein reißender Gebirgsbach

Ein Rinnsal ist kein reißender Gebirgsbach

FINTHEN –1500 Kubikmeter Erde werden bewegt, 40 Bäume etwa sollen gepflanzt werden und die Initialpflanzung von 5000 Stauden und Gräsern wird folgen. Im nächsten Jahr könnten die Pläne und Genehmigungen so weit sein, dass man mit der Renaturierung des Aubachs beginnen kann. Gerade erst hatte Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) mit ihren Fachleuten vom Umweltamt dem Ortsvorsteher, Herbert Schäfer (CDU), die geplanten Maßnahmen vor Ort vorgestellt (wir berichteten). Nun war auch die Öffentlichkeit ins Keglerheim zur Informationsveranstaltung geladen. Im Bereich zwischen „Am Elmerberg und Altem Wasserwerk“ findet man heute auf etwa 500 Metern den Aubach mit begradigtem, befestigtem und teilweise betoniertem Ufer. Damit handelt es sich in der Fachsprache um ein „naturfernes Gewässer mit beschränkter Artenvielfalt“, in dem keine Gewässerdynamik möglich ist. Nun soll der Bach wieder an die tiefste Stelle des Tales laufen, Schächte werden rückgebaut, und der Bach kann so fließen, wie es früher einmal war. Das von der Stadt hinzugekaufte Stück Land bewirkt einen größeren Abstand zur Landwirtschaft und trägt damit zur Verbesserung der Wasserqualität bei.

 

Zur Renaturierung wird die Bachsohle entsiegelt und die Uferbereiche werden vom Beton befreit. Das Bachbett wird ausgeweitet mit Inseln und wechselfeuchten Zonen. Die vorhandenen Abstürze im Bachlauf werden gemildert. Die jetzige Pflaumenplantage wird zur Streuobstwiese. Eine Chance bestehe im Anschluss der Oberflächenentwässerung des Baugebiets an den Aubach, erklärte Landschaftsplaner Georg Kuhn von Gutschker-Dongus. Die Renaturierung in Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, der die Stadt Mainz hier folgt, kommt auch den Finthern und der Naherholung zugute. So soll ein Pfad vom geplanten Baugebiet Am Elmerberg bis hoch zum Wasserwerk zu Spaziergängen einladen. Der jetzige Verlauf in einem engen Betonbett wird abgelöst durch einen sanft mäandernden Bachlauf. Leitungen verlaufen teils eng am Bachlauf mit seinen drei Zuläufen, so dass in der Gestaltung Begrenzungen gesetzt sind, ebenso durch Bestandswege und Durchlässe. Weiter seien Ziele, die Artenvielfalt zu erhöhen, die Gewässerstruktur zu verbessern und neue Retentionsräume zu schaffen. Die geplante Aufweitung rief im Publikum Zweifler auf den Plan aus Furcht, der Bach könne versickern. „Ein reißender Gebirgsbach ist der Bach sowieso nicht und das wird er auch nicht werden“, machte Martin Witzel vom Umweltamt klar. Die drei Zuläufe führten eine gute Wasserqualität, seien aber eher Rinnsale.