KASTEL – Als AKK-Journalist konnte ich u.a. durch diese entdeckte Federstrichzeichnung (Foto) ein historisches Bild erstehen lassen, welche mächtigen militärischen Bauwerke einst Kastel durch seine strategische Brückenkopffunktion besaß.
Die ehemalige Pionier-Kaserne nach Erzherzog Wilhelm benannt, stand am „Alte Witzgraben“, etwa 50 m zurückgesetzt von der heutigen Straße „In der Witz“.
Der Mitteltrakt stand in Höhe der heutigen „Groh-Anlage“. Sie wurde 1859 noch während des „Deutschen Bundes“ (1815-1866) zunächst als zweigeschossige Fort-Kaserne erbaut und gegen Ende des 19. Jahrhunderts um weitere zwei Stockwerke und die attraktiven Turmspitzen erweitert.
Kastel war von Forts und Bollwerken umzingelt: Die Festungswerke „Lünette Hochheim“ und „Erbenheim“ waren nach Osten gerichtet. Die „Lünette Frankfurt“ im Süden und die „Lünette Wiesbaden“ im Norden waren nur über Brücken zu erreichen, die sich über den Wallgraben spannten.
Damit soll deutlich gemacht werden, dass Kastel, welches um die Jahrhundertwende aus den Nähten platzte, keine Ausdehnungsmöglichkeit hatte.
Man nahm die Gelegenheit wahr, Kaiser Wilhelm II., der am 25. Mai 1900 auf dem Weg von Wiesbaden nach Mainz und zurück Kastel zweimal passierte, „untertänigst“ um die dringende Öffnung des Wallgrabens zu bitten, nachdem bereits 1892 um die „Auflassung“ ersucht wurde.
Es gab zwar eine vom 04. November 1903 datierte „Kaiserliche Verfügung“, doch mit der Niederlegung eines Teils der Festungsanlagen durfte erst durch eine endgültige Entscheidung seiner kaiserlichen Hoheit begonnen werden.
Aus einem Aufenthalt in Gibraltar erhielt der damalige Kasteler Bürgermeister Heinrich Löffelholz folgendes Telegramm: “Auf dem mir gehaltenen Vortrag bestimme ich: Es werden aufgelassen die Stadtumwallung von Kastel mit Lünetten Frankfurt und Wiesbaden. Das Kriegsministerium hat hiernach das Weitere zu veranlassen. Gibraltar, den 18. März 1904. Wilhelm v. Einem“.
Die Lünetten Hochheim und Erbenheim mit der „Glacis“ (Stadtwald von Kastel) und der „Erzherzog-Wilhelm-Kaserne“ mussten in der Nazizeit im Jahre 1936 des für Kastel im Zweiten Weltkrieg so verhängnisvollen Heereszeugamtes weichen.

Herbert Fostel