FLÖRSHEIM – (red) „Bis auf das fehlende Bein machte er einen gesunden Eindruck“, berichtete Horst Usinger am 18. April dem BUND-Aktiven Bernd Zürn. Als Beweis fügte der Hattersheimer Usinger mehrere Fotos bei. Er hatte sie am 17.04. östlich des Hofes ‚Mechthildshausen‘ gemacht. Und die zeigten zweifelsfrei einen Storch, der tatsächlich nur ein Bein hat. Bernd Zürn wusste bisher nur von einem einzigen Fall eines einbeinigen Storches. Im Jahre 2016 hatte sich in der Nähe von Magdeburg ein Storchenweibchen so unglücklich in einer Angelschnur verfangen, dass bei ihren verzweifelten Befreiungsversuchen der untere Teil ihres rechten Beines abgetrennt wurde. Ein Orthopädiemechaniker passte ihr eine Prothese aus Carbon an. Damit konnte sie zwar weiter leben, allerdings nur in einer Vogelschutzwarte.
Dass ‚unser‘ einbeiniger Storch ohne menschliche Hilfe überlebt, kann sich Zürn nicht vorstellen. Bei ihrer Nahrungssuche schreiten Störche – natürlich auf zwei Beinen – über Felder und Wiesen. Auf nur einem Bein humpelnd genügend Nahrung zu finden, ist für Zürn nicht denkbar. Auch eine Prothese kommt erst dann in Frage, wenn sich das Tier fangen lässt. Das aber ist, so lange er noch fliegen kann, nicht möglich.
Als Ursache für den Verlust des Beines vermutet Zürn eine verhängnisvolle Kollision des Storches mit einem landwirtschaftlichen Großgerät, zum Beispiel einer Mähmaschine. Der Einsatz solcher Maschinen zieht Störche – auch aus größerer Entfernung – geradezu magisch an. Grund: Ganz viel fressbare Tiere werden dabei aufgescheucht. Ein Schlaraffenland für Meister Adebar. Dabei geht der sonst recht scheue Vogel mitunter so dicht an die Maschinen, dass diese ihn erwischen. Das geschah im vergangenen Jahr auf einer Wiese in Massenheim. Einem Storch wurden dabei beide Beine zerschmettert. Er musste dann in der Tierklinik eingeschläfert werden.
Bernd Zürn hofft jetzt, dass aufmerksame Mitbürger den ‚Einbeiner‘ sehen und ihm darüber berichten, insbesondere über Ort und Zeit der Beobachtung. Er ist erreichbar unter 01 74 / 7 95 47 41 oder unter bernd.zuern@gmx.net.