Rüsselsheim. Am Pfingstwochenende fand die 44. Vogalonga in Venedig statt. Die Wassersportler der Undine nahmen den weiten Weg der Anreise in Kauf und starteten dort mit zwei 1er Kajaks, einem 2er Kajak und dem 10er Kanadier Beluga. Die Vogalonga wurde erstmals 1975 als Prostestveranstaltung gegen die stark aufkommenden Motorboote und deren zerstörerischen Wellenschlag an den Prachtbauten durchgeführt. Gleichzeitig wollte man das traditionelle Rudern und Paddeln in Venedig vor dem Untergang bewahren. Mittlerweile ist die Vogalonga als internationales Großereignis im Wassersport bekannt. Während der Fahrt ist es den Motorbooten nicht gestattet, durch die Kanäle entlang der Strecke zu fahren. Somit hatten die über 2100 Boote mit circa 8300 Teilnehmern die Lagunenstadt in ihrer Hand.
Gestartet wurde Punkt 9.00 Uhr mit einem Kanonenschuss vor dem Marcus-Platz auf dem Canale Delle Giudecca. Der laute Knall ging durch Mark und Bein und als sich der Tross der vielen Boote in Bewegung setzte, kam Gänsehaut-Feeling auf. Die Strecke führte anfangs in südöstliche Richtung bis zur Isola Sant’Elena und von dort in einer fast 90 Grad Kurve in Richtung Burano. Die Kurve war so eng, dass sich andere innenfahrende Boote teilweise quer zur Fahrinne stellten. Die Undine-Paddler kamen nur durch blitzschnelles Reagieren des Steuermanns schadfrei durch diese Enge. Dies geschah jedoch nicht ohne Bootberührungen und einer temperamentvollen Kommunikation. Danach entzerrte sich das Teilnehmerfeld und man besann sich darauf, dass die Vogalonga kein Rennen sein sollte, sondern eine „Erlebnisfahrt“. Wer schnell fährt, ist selbst Schuld und verpasst die Schönheit der Lagune.
Auf dem Weg zum Wendepunkt in Burano wurden die Wassersportler durch die Beschallung mit italienischer Musik zum Weiterpaddeln und Rudern motiviert. Kurz vor Burano kam es dann für die Beluga beinahe zum ungewollten Stillstand. Durch das Verlassen der markierten Fahrrinne kam es zur Grundberührung. Nur durch beherztes Paddeln konnte Schlimmeres verhindert werden. Andere Teilnehmer blieben mit ihren Drachenbooten stecken. In Burano, nach ungefähr 15 km Fahrstrecke, wurde dann auf einer kleinen unbewohnten Insel Pause gemacht.
Ab dann sollte der erhoffte Rückenwind die Fahrt in Richtung Venedig unterstützen. Doch schon auf dem Weg von Burano nach Murano war das Boot nicht einfach zu steuern. Rund 1 km vor dem Erreichen der Kanaleinfahrt in die Stadt Venedig wurde die Beluga gegen einen Holzpfahl der Fahrinnenbegrenzung geschoben. Die Wucht war so groß, dass sich alle 10 Undine Paddler, inkl. Bootshund, in der Adria wiederfanden. Zum Glück ist nicht viel passiert und außer ein paar Prellungen und Schnittwunden waren alle wohlauf und genossen die unfreiwillige Abkühlung. Nur durch Unterstützung und Hilfe des Sicherungspersonals konnte der Kanadier leergepumpt und wieder fahrbereit gemacht werden. Bevor es zum großen Finale auf dem Canale Grande kommen konnte, musste noch die schmale Einfahrt durch den Canal Rio Di Cannaregio gemeistert werden. Durch die große Anzahl von Booten und einer „Blockabfertigung“ in den Kanal, kam es zu Gerangel und Schieberei. Hierbei war es beeindruckend, wie zielsicher die temperamentvollen italienischen Frauen ihre zum Teil über hundert Jahre alten Gondeln durch die Masse an Booten manövrierten. Teilweise sogar unter Androhung von Prügel mit ihren langen Holzrudern.
Zum Abschluss führte die Strecke auf dem Canale Grande unter der Rialto Brücke durch. Hier war die Strecke von tausenden Zuschauern gesäumt die den Wassersportlern zujubelten.
Trotz der Havarie und der großen Anstrengung war diese Fahrt für alle Undine-Teilnehmer ein ganz besonderes Erlebnis. Wer mehr über diese Fahrt bzw. den Kanusport erfahren möchte, kann sich gerne bei uns im Wassersportverein Undine melden (www.kanu-undine.de).

Peter Barth
Pressewart