Flörsheim. „Du musst unbedingt mal vorbeikommen!“, fordert Küster Wilhelm Bachmann den BUND-Aktiven Bernd Zürn telefonisch auf. Die Begründung für seinen Hilferuf: „Hier liegt ein toter Turmfalke. Mit einer Art Einschussloch im Körper“. Tatsächlich fand Zürn seitlich vom Kirchturm der Galluskirche einen Turmfalken. Höchstens zwei Wochen alt und noch ganz im Baby-Flaum. Tot. Mit einem kreisrunden, circa 8 Millimeter großen Loch im Bauchbereich. Nach einer kurzen Untersuchung dieser Verletzung konnte Zürn Entwarnung geben: Wespen hatten die dünne Bauchdecke geöffnet und versorgten sich mit dem zarten Fleisch des jungen Turmfalken. Damit war der schlimme Verdacht des guten Wilhelm Bachmann von bösartigen Gewehrschützen, die auf harmlose Turmfalken schießen, beseitigt. Bei seinem anschließenden Besuch in der Turmspitze von Sankt Gallus fand Bernd Zürn die drei überlebenden Geschwister des toten Turmfalken. In dem geräumigen Kasten, den Zürn ihnen vor fast dreißig Jahren gebaut hatte, zeigten die drei Winzlinge dem „Eindringling“ durch weit geöffnete Schnäbel und lautes Fauchen, dass er nicht willkommen war. Auch bei seinem anschließenden Besuch im Turm der Josefskirche stieß er auf deutliche Ablehnung. Die fünf Jungen dort waren mindestens zwei Wochen älter als die in Sankt Gallus. In einer Woche, vermutet Zürn, werden sie zu ihren ersten Erkundungsflügen starten.

Bernd Zürn