Flörsheim. „Gut drei Wochen alt dürfte der Jüngste von ihnen sein“, vermutet Klaus Hillerich. Und ergänzt: „Seine beiden Geschwister sind jeweils zwei bis drei Tage älter“. Der amtliche Storchenberinger Hillerich war extra aus Groß Umstadt angereist, um am vergangenen Samstag einen Teil der vom BUND Flörsheim betreuten Jungstörche zu beringen. Am ersten Beringungsort, der Deponie in Wicker, wurde seine Arbeit sehr erleichtert. Ein Deponiehubsteiger hob ihn zehn Meter hoch bis zum Nest. Dort legten sich die Jungstörche flach auf den Boden des Nestes und stellten sich tot. Das ist eine sehr sinnvolle Schutzmaßnahme der Kleinen, denn ihre Vogeleltern verlassen Nest und Brut, wenn sich Menschen oder mögliche Feinde nähern. Klaus Hillerich legte eines der Jungen in eine große Tasche und brachte sie auf den Boden. Dort wartete eine größere Zahl von Interessenten. Sie konnten die sich anschließende Beringung hautnah verfolgen und durften das Junge auch berühren und streicheln. Das schadet – entgegen einer immer wieder vorgetragenen Behauptung – den Vögeln nichts. Die Eltern nehmen sich ihrer Kleinen hinterher wieder ganz normal an. Die Beringung der Jungstörche bringt auch heute noch immer wieder neue Erkenntnisse, insbesondere über die Flugrouten der Tiere und ihre sonstigen Lebensgewohnheiten. So konnte Bernd Zürn beispielsweise feststellen, dass auf einem der von ihm betreuten Storchennester fast drei Wochen lang drei Störche zu sehen waren. Erst als feststand, wer ein Brutpaar werden sollte, zog der Dritte davon. An Hand seiner Ringnummer fand Zürn ihn kurze Zeit später auf einem anderen Nest, drei Kilometer entfernt. Dort zieht er zur Zeit mit einem anderen Brutpartner drei Junge groß. Mit dem Brutergebnis ist Bernd Zürn in diesem Jahr sehr zufrieden. „So viele Jungstörche hatten wir seit dem Beginn unserer Wiederansiedelungsbemühungen vor fast zwanzig Jahren noch nie“. Mindestens 33 Junge hat er auf den von ihm betreuten Nestern gezählt. Die Zahl der Brutpaare ist diesmal sehr hoch, die Zahl der Jungen pro Brutpaar eher gering: Zwei bis drei Junge pro Paar, das liegt unter dem langjährigen Schnitt. Die von ihm beobachteten Verluste sind bisher sehr gering. Lediglich in einem Nest in Massenheim lag einer der sechs Jungstörche tot unter dem Nest. Denkbar, dass die Eltern ihn loswerden wollten, weil das Futter nicht für alle reichte. Die Natur kann mitunter sehr grausam sein. Bei einer zweiten Bringung auf der ‚Grube Christ‘ in der Nähe des Abenteuer-Spielplatzes wurden ebenfalls drei Junge beringt. Dort müssen demnächst Mast und Horst ersetzt werden. Nach fast zwanzig Jahren sind sie nicht mehr standsicher. Immerhin wiegen die Nester mehrere Zentner. Als Baumaterial – aber auch als Futter für ihre Jungen – schleppen die Altvögel seit Jahren erschreckend viel Plastikmaterial ein. Gummiringe und Plastiktiere werden von den Störchen immer wieder als Nahrung angesehen. Mit oft tödlichen Folgen: Die Tiere verhungern, obwohl ihr Magen voll ist: Leider nur mit unverdaulichem Plastikmüll!

Bernd Zürn