Bischofsheim. Der Gesangverein Germania 1869 Bischofsheim e.V. hat für seine diesjährige Chorreise Ostfriesland als Ziel ausgesucht. 54 Chormitglieder und Gäste machten sich per Bus auf den Weg zum Standquartier nach Aurich – standesgemäß im Hotel Stadt Aurich untergebracht. Der Rest des Tages diente der Erkundung der „heimlichen Hauptstadt Ostfrieslands“, die gerade ihr Stadtfest feierte. Am folgenden Tag galt es, Land und Leute näher kennenzulernen. Unter orts- und sachkundiger Führung ging’s zunächst nach Suurhusen mit dem schiefsten Kirchturm der Welt. Faszinierend, dass er bei dieser Schieflage nicht umfällt! Weiter ging’s nach Emden zur Ratsdelft, dem ehemaligen Hafen am Rande der Altstadt mit Museumsschiffen und ganz aktuell, mit dem gerade stattfindenden jährlichen Drachenboot-Rennen mit Mannschaften aus ganz Norddeutschland. Auch die Erinnerung an „Otto“, das Otto-Huus, der „Otto-Turm“, als kleinster Leuchtturm Deutschlands, und die Erinnerung an seine 70. Geburtstags-Feier mit Freibier für alle, durfte nicht fehlen. Marktplatz und Innenstadt, soweit man sie in der verbleibenden Zeit erkunden konnte, boten ein beeindruckendes Bild ostfriesischer Fachwerk- und Steinbauten mit teils vorgesetzten Schaugiebeln. Im Rundwarfendorf Rysum erfuhren die Besucher, wie in früheren Jahrhunderten der Hochwasser-Schutz erreicht wurde: Auf aufgeschütteten Erhebungen wurde an höchster Stelle die Kirche errichtet, darum scharten sich die Häuser, die Stallungen in Richtung Meer, die Wohnbereiche zur Kirche hin. Rysum hat die älteste noch bespielbare Orgel Nord-Europas; sie stammt aus dem 15. Jahrhundert. Und natürlich haben sich die Germania-Chöre die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Orgel zu hören und am Schluss bei „Großer Gott wir loben Dich..“ kräftig mit einzustimmen. An der Rysumer Mühle erfuhr man viel über die alten Windmühlen, die Bedeutung der Flügelstellung und die Funktion der Mühlen. Greetsiel mit seinem malerischen Kutterhafen und seinen Zwillings-Windmühlen war nächstes Ziel. Weiter ging’s nach Norddeich zur Seehundstation, wo verwaiste Heuler aufgepäppelt und wieder ausgewildert werden. Es gab dort reichlich Informationen zum Seehund-Bestand im Wattenmeer und zu den Lebensgewohnheiten und Bedürfnissen der Tiere. In den Aufzuchtbecken konnte man die Schwimmkünste der jungen Robben fast hautnah bewundern. Zurück nach Aurich gab’s noch einen Abstecher nach Marienhafe, wo der Seeräuber Störtebeker seinen Unterschlupf hatte. Noch heute erinnert dort der Störtebeker-Turm an ihn.

Am nächsten Tag stand die Ostrfriesen-Insel Norderney auf dem Programm: Per Fähre ging’s von Norddeich auf die Insel und für einen ersten Überblick gab es eine Inselrundfahrt unter kundiger Führung. Entlang der Südseite mit Blick auf’s Wattenmeer, vorbei an ausgedehnten Salzwiesen ging es durch die Dünenlandschaft bis zum östlichen Ende und hinauf bis an die nördlichen Badestrände. Nach kurzer Rast fuhren wir zurück zur Siedlung, dem Nordseeheilbad Norderney. Ganze Straßenzüge mit Biedermeierhäusern und klassizistische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert prägen das Bild der Innenstadt, dominiert vom Kurhaus und Kurhotel. Leider ist der Seeblick mittlerweile stark eingeschränkt durch die modernen Bettenburgen in Strandnähe. Aber auch dort gab es noch Gelegenheit, sich den Seewind und den Sand des Strandes um die Nase wehen zu lassen. Zurück ging’s wieder mit Fähre und Bus nach Aurich zum gemeinsamen Abendessen und Ausklang in der Bar. Der vierte Tag stand ganz im Zeichen der Kreuzfahrt-Schifffahrt: Die Meyer-Werft in Papenburg war das Ziel. Wir hatten viel Glück, da der derzeit größte Neubau, die AIDANOVA , noch in der riesigen Werfthalle lag und erst am Tag danach ins Außenbecken verbracht wurde. So konnten wir die immensen Abmessungen des Ozeanriesen aus nächster Nähe betrachten und uns das Stapellauf-Verfahren sachkundig erläutern lassen. Beeindruckend! Der Nachmittag war dann der historischen Altstadt von Leer gewidmet. Die alte Hafen- und Handelsstadt an der Leda beeindruckt mit ihren roten Backsteinbauten im Stil des niederländischen Frühbarocks. Renaissancebauten, wie das alte Rathaus und die Alte Waage, zeugen von der Jahrhunderte alten Bedeutung des „Tor Ostfrieslands“. Im Kanal vor dem Hafen liegt ein Frachtensegler, die kleinen Hub- und Drehbrücken im Verlauf des Kanals und vielleicht sogar das gesamte Ensemble könnte man so auch in den Niederlanden finden. Die Rückfahrt nach Aurich zeigte nochmal die Bilder der ostfriesischen Landschaft: In Hecken-Karrees eingefasste Weide-, Wiesen- und Ackerlandschaften, große Gehöfte und kleine Siedlungen, alte Windmühlen und heute natürlich oft überragt von Windparks und ergänzend Solar-Felder; eine fruchtbare und blühende Landschaft mit Menschen und Gebräuchen, die dazu passen. Am Dienstag, dem fünften Tag, war dann die Rückfahrt nach Bischofsheim tagfüllendes Programm, nach vier erlebnisreichen Tagen in Ostfriesland, die allen sehr gefallen haben. Wir danken dem Reisebüro Wagner aus Bischofsheim für die gute Organisation und Durchführung unserer Chorreise.

Albrecht H. Glöckle