Hofheim. Nach der Lese im städtischen Wingert in Diedenbergen steht fest, dass der Jahrgang 2018 des Diedenbergener Sonnenhangs eine Auslese ist. Der Hofheimer Winzer Konrad Seidemann, der den Wein keltert und ausbaut, hat in den 840 Litern 100° Öxle bei 6 Promille Säure gemessen. Das sei besonders vorbildlich. Folgende Mengen und Qualitäten wurden in den letzten Jahren geerntet:

2009 97° Öchsle (Auslese) 800 Flaschen

2010 91° Öchsle (Spätlese) 720 Flaschen

2011 96° Öchsle (Auslese) 780 Flaschen

2012 97° Öchsle (Auslese) 750 Flaschen

2013 88° Öchsle (Spätlese) 1.010 Flaschen

2014 87° Öchsle (Spätlese) 720 Flaschen

2015 95° Öchsle (Auslese) 740 Flaschen

2016 92° Öchsle (Spätlese) 660 Flaschen

2017 92° Öchsle (Spätlese) 700 Flaschen

Trotz behördlicher Genehmigung des Weinbergs darf die Qualitätsstufe nicht auf dem Etikett angegeben werden. Nach dem deutschen Weingesetz ist nur die Angabe „Deutscher Wein“ zulässig. Auch gibt es für den städtischen Weinberg keine amtliche Lagebezeichnung mehr. Da Diedenbergen 1971 aus der Weinbergsrolle fiel, besteht auch keine Möglichkeit mehr, eine alte Lagebezeichnung (z.B. Steinhaus oder Linsenberg) wieder aufleben zu lassen. Nur inoffiziell heißt der Weinberg Diedenbergener Sonnenhang. An der Lese beteiligte sich ein gutes Duzend freiwilliger Lesehelfer. Wie immer waren es dem Weinbau verbundene Hofheimer und städtische Bedienstete und Pensionäre. Die Lese dauerte etwa vier Stunden und wurde traditionell mit einem zünftigen Bauernfrühstück zur Halbzeit unterbrochen. Petra Fuchs von der Hofheimer Stadtverwaltung betreut den Städtischen Weinberg, jedoch kann sie noch auf die Erfahrung von Karl-Heinz Harpf und Bernhard Racky, dem Vater des Diedenbergener Weins zurückgreifen. Hauptamtlich ist Petra Fuchs in Teilzeit für den Bereich Tourismus zuständig. Der Weinbau in Diedenbergen hat eine lange Tradition. Von den Römern eingeführt, finden sich erste urkundliche Erwähnungen in Diedenbergener Gerichtsbüchern ab 1550. Dass der Weinbau in Diedenbergen zum Erliegen kam, ist der Industrialisierung zuzuschreiben. Viele Landwirte fanden Arbeitsplätze in der Industrie und führten fortan ihre Landwirtschaft nur noch als Nebenerwerb weiter. Weinberge lassen sich aber kaum ausschließlich nach Feierabend bewirtschaften. Deshalb wurden die Flächen in den 60er und 70er Jahren sukzessive aufgegeben. Um dennoch die Tradition des Weinbaus im Hofheimer Stadtteil aufrechtzuerhalten, wurde 1988 ein Antrag auf Genehmigung einer Neuanlage beim Weinbauamt in Eltville gestellt. Diesem Antrag wurde stattgegeben, jedoch nur zu Forschungs- und Demonstrationszwecken. 1990 erfolgte dann die Neuanlage. Der Wein darf nur für den städtischen Eigenbedarf verwendet werden. Freuen über ein solch edles und seltenes „Tröpfchen“ dürfen sich vor allem Hofheimer Jubilare und Menschen, die sich ehrenamtlich in Hofheim engagieren.

Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus

Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit