Flörsheim. (red) Die Einsatzkräfte der Flörsheimer Feuerwehren sind neben dem Brandschutz in der Stadt auch für das Gelände des Shell-Großtanklagers zuständig. Um die Feuerwehr für diese spezielle Aufgabe zu qualifizieren, finanzierte Shell Deutschland nun für 12 Führungskräfte aus allen Stadtteilfeuerwehren ein spezielles Einsatzleiter-Training bei der Falck Fire Academy in Rotterdam. Neben dem Stadtbrandinspektor, seinem Stellvertreter und den Wehrführern aus allen Stadtteilen, begleiteten weitere Zug- und Gruppenführer die Delegation.

An einem sonnigen Oktobersonntag starteten die Teilnehmer mit zwei Mannschaftstransportfahrzeugen der Feuerwehr nach Maasvlakte-Rotterdam. Dort, im Hafengelände, steht das Trainingscenter der Falck Fire Academy, welches weltweit auch noch unter dem früheren Namen Risc Rotterdam bei Feuerwehren ein Begriff ist. Man hat sich hier insbesondere auf industrielle Brandbekämpfung, auch im Bereich von Tanklagern und Abfüllstationen wie sie in Flörsheim zu finden sind, spezialisiert. Die Kursteilnehmer absolvierten ein speziell auf die Bedürfnisse zuhause zugeschnittenes Einsatzleiter-Training. Nach einer kurzen Theorie-Einweisung ging es mit der Praxisausbildung gleich am ersten Tag los. Nach dem Testen des Vorgehens im Wasserschirm eines Hohlstrahlrohres, welches z.B. zur Abschirmung der Hitze bei einer Menschenrettung erforderlich ist, wurde als nächstes ein Brand in einer Prozessanlage simuliert. Für die wechselnden Einsatzleiter ging es hierbei darum, eine Lagefeststellung zu machen, Prioritäten zu setzen sowie gefährdete Objekte und Druckbehälter zu kühlen, um die Lage zu stabilisieren.

In den Folgetagen wurden weitere Trainings in horizontalen und vertikalen Anlagen durchgeführt. Die Brände waren hierbei sowohl durch Gase, als auch durch brennende Flüssigkeiten erzeugt, so wie es im industriellen Bereich z.B. nach einer entsprechenden Leckage auch in der Realität sein könnte. Schließlich mussten auch ein großer Flüssigkeitsbrand sowie ein brennender Großtank durch die Flörsheimer Einsatzkräfte gelöscht werden. Ebenso galt es, Brände an Kesselwagen und einer Verladestation in verschiedenen Facetten zu absolvieren. Für die meisten Feuerwehrleute ist hier Umdenken gefragt. Denn das Feuer sollte in den häufigsten Fällen nicht gelöscht, sondern nur isoliert werden, um eine Ausbreitung des Mediums zu verhindern. Dabei gelten die Bereiche zwischen dem brennenden Produkt und dem Ablauf sowie gegen die Windrichtung als sogenannte „NoGo-Area“. Am Ende des letzten Seminartages zogen alle Teilnehmer ein sehr positives Fazit. Alle hatten in dieser Zeit eine Menge dazu gelernt. Insbesondere die Beurteilung des Ex-Bereiches bei Gasleckagen und der sinnvolle Einsatz von mobilen Wasserwerfern bleiben im Gedächtnis und können auch als Ansätze für andere Einsatzlagen verwendet werden.

Stadtbrandinspektor Volker Draisbach dankte dem Lehrgangsleiter Eddy Roojmans für die interessante Woche, den Feuerwehrleuten, welche für das Seminar überwiegend eine Urlaubswoche opferten und insbesondere auch der Firma Shell Deutschland für die Investition in die Sicherheit am Standort Flörsheim. Nach einer anstrengenden Woche traten die Teilnehmer schließlich am Samstag die Heimreise an. Und wie es bei der Feuerwehr häufig der Fall ist, war kein Ausruhen angesagt, sondern auch in den folgenden Tagen mussten etliche Einsätze absolviert werden. Glücklicherweise aber nicht im Bereich des Großtanklagers. Denn auch darin waren sich alle einig: Im besten Fall muss das beim Einsatzleiter-Training in Rotterdam Erlernte nie in Flörsheim angewendet werden.