Rüsselsheim. Über 200 Erzieherinnen und Erzieher von städtischen Kitas nahmen an einem Fachtag „Wir sind Kita“ teil. Sie setzten sich damit auseinander, wie Kitas Vielfalt in Bezug auf die Entwicklung, die Kulturen und das Geschlecht von Kindern und ihren Familien aufgreifen und Integrationsprozesse fördern können.

Bürgermeister Dennis Grieser machte bei seiner Begrüßung deutlich, dass sich die Vielfalt der Kinder und Familien in den Einrichtungen der Kindertagesbetreuung, deren Umgebung und bei den Fachkräften widerspiegele. Er sagte: „Es ist unser Ziel, alle Kinder und Familien in ihrer jeweiligen individuellen Bildungssituation zu begleiten, zu unterstützen und zu fördern. Denn: Vielfalt ist selbstverständlich.“

Wichtige Faktoren für das Gelingen seien die eigenen Sichtweisen, Einstellungen und Haltungen sowie die Rahmenbedingungen in den Kitas. Deswegen sei es neben dem fachlichen Austausch Griesers Ziel, bessere Bedingungen für Bildungsprozesse für alle Kinder in den Kindertagesstätten zu schaffen. Die Stadt habe bereits durch die neue Personalbemessung 15 Prozent der Arbeitszeit für die mittelbare pädagogische Arbeit festlegt, damit genug Zeit für die Reflektion sowie Vor- und Nachbereitung bleibt. Außerdem habe die Stadt für die Drei- bis Sechsjährigen eine kleinere Gruppengröße als im Gesetz vorgesehen festgelegt. In Rüsselsheim liegt diese bei 20 Kindern ohne dies auf besondere Merkmale oder sogar Defizite des einzelnen Kindes zurückzuführen. Als Bürgermeister und Mitglied des Magistrats wolle Grieser weitere Anregungen im Hinblick auf inklusive Rahmenbedingungen aufgreifen. „Die Stadt will Voraussetzungen schaffen, die eine inklusive Arbeit ermöglichen.“ Zum Abschluss appellierte er an die anwesenden Fachkräfte: „Lassen Sie uns den bereits begonnenen Weg für gleiche Teilhabechancen gemeinsam weitergehen.“

Das Thema für den Fachtag hatten Fachkräfte aus den Kitas selbst angeregt. Möglich wurde die Veranstaltung außerdem dadurch, dass die Kitas ab 12 Uhr schließen und die Fachkräfte ab mittags an der Fachtagung teilnehmen konnten. Dafür dankte Grieser dem Kita-Stadtelternbeirat und den Eltern.

In einem kurzen und selbsterstellten Film zeigte der Fachbereich Bildung Betreuung, was die Arbeit der städtischen Kitas ausmacht und wie Vielfalt den Alltag prägt. Im Anschluss folgte ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Ulrich Heimlich, Ludwig-Maximilians-Universität München, der seinen Fokus auf Inklusion von Kindern mit Behinderungen legte. „Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert“, machte er klar. Für ihn sei es wichtig, dass alle Kinder in Kitas teilhaben, aber auch beitragen können. Seine Erfahrung sei es, dass sich die Qualität der Arbeit in den Einrichtungen verändert, wenn Kinder mit Behinderungen integriert werden und sie ihre Fähigkeiten einbringen können.

Im Anschluss an den Begrüßungsteil gab es interne Workshops. Zu den Themen zählten „Inklusive Spielförderung“ (Prof. Dr. Ulrich Heimlich), „Qualität aus Kindersicht“ (Deutsche Kinder-und Jugendstiftung), „Herausforderung in der interkulturellen Zusammenarbeit mit Eltern“ (Frühstart), „Gesundheitsförderung in der Lebenswelt Kita“ (Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V.) und „Das interkulturelle Spielzimmer – In Vielfalt groß werden“ (Verband binationaler Familien und Partnerschaften).

Ergänzend fand in der Lobby eine Infobörse statt. Neben städtischen Kindertagesstätten präsentierten sich unterschiedliche Institutionen. Dazu gehörten die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, die Frühförderstelle der WfB Rhein Main e. V., die Türkisch Deutsche Gesundheitsstiftung, der Verband binationaler Familien und Partnerschaften, die Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung, KULTUR 123 die Stadtbücherei, das Autismus Therapie Zentrum Langen und die queerformat Fachstelle von pro familia. Dies ermöglichte einen lebendigen Austausch zwischen Fachkräften und Anbietern.

Asswin Zabel
Stadt Rüsselsheim am Main