Rüsselsheim. Mehr als eine Million Kleingärten gibt es in Deutschland, die meisten davon in Städten, denn gerade Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohnern dienen sie als grüne Lunge und Erholungsfläche. Nach dem Vorbild alter Bauern- oder Gemüsegärten sollten sie ursprünglich den Anbau von Kartoffeln, Gemüse und Obst ermöglichen. Doch von Anfang an war auch die Erholung im Blick: Familien verbrachten gemeinsam Zeit in der grünen Oase, die Erwachsenen schufen sich eine Quelle für frische Nahrungsmittel, und in späterer Zeit fanden sie dort einen Ausgleich zu den Belastungen in Beruf und Alltag. Zunehmend spielen heute auch Natur- und Umweltschutz eine wichtige Rolle im Kleingarten.

In Rüsselsheim am Main verpachtet die Stadt 236 Kleingärten in den Stadtteilen Haßloch, Bauschheim und Königstädten. Die Nachfrage ist groß. Zusätzlich bestehen Pachtverträge mit dem Schrebergartenverein Rüsselsheim e.V. für 263 Gärten und dem Verein „Internationaler Garten“, der Menschen unterschiedlichster Herkunft, Nationalitäten, Sprachen und Altersstufen einen Ort der Begegnung bietet und damit nachhaltig zur Integration von Menschen mit Fluchthintergrund beiträgt.

Oberbürgermeister Udo Bausch sieht in den Kleingärten nicht nur eine grüne Lunge der Städte und ein Naturerlebnis. Ihm ist auch wichtig, das Thema regionale Ernährung anzusprechen. „Weite Transportwege und Onlinehandel mit dem damit verbundenen Lieferverkehr wirken sich zunehmend negativ auf die Umwelt aus. Gerade für Nahrungsmittel, egal ob sie im herkömmlichen oder Bio-Anbau erzeugt werden, sind regionale Märkte daher von besonderem Interesse. In den Kleingärten sehe ich die Idee der gärtnerischen Freizeitgestaltung mit dem Thema Gemüse- und Obstanbau verknüpft“, sagt Bausch. Wer nicht selbst Obst und Gemüse anbaut, findet örtlich und regional erzeugte Produkte auf den Rüsselsheimer Wochenmärkten. „Die Kunden wünschen sich frisches und regional erzeugtes Gemüse, Obst, Kartoffeln oder Eier. Kleingärten stärken diese Idee auf hervorragende Weise,“ erklärt Bausch.

Doch auch die ökologische und soziale Funktion der Kleingärten ist Bausch wichtig. „Die meisten Kleingartenanlagen verfügen auch über Einrichtungen für das Vereinsleben, Orte an denen man sich trifft und ins Gespräch kommt. Das ist ein wichtiger Nebeneffekt“, sagt Bausch. Viele Vereine und Garteninhaber kooperierten zudem mit Naturschutzvereinen wie dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu), um die Gartenflächen ökologisch aufzuwerten und beispielsweise hummel- oder bienenfreundliche Bepflanzungen vorzunehmen. „Bei den Kleingärtnern spielen die Belange des Natur- und Umweltschutzes eine große Rolle“, sagt Bausch. In den allermeisten Kleingärten stünden Grundregeln des naturnahen Gärtnerns im Fokus.

Glaubt man Wikipedia, so kompostieren 90 Prozent der Garteninhaberinnen und -inhaber ihre Gartenabfälle und setzen Regenwasser für die Bewässerung ein. „Wer die Produkte aus dem eigenen Garten essen möchte, setzt auch wenig Kunstdünger oder chemische Mittel zur Schädlingsbekämpfung ein. Und viele Kleingartenvereine beraten ihre Mitglieder auch in Fragen des Natur- und Umweltschutzes um das Bewusstsein dafür zu stärken“, merkt Bausch an. Daneben gibt es in den Gärten selbstverständlich auch Rasen- und Zierflächen, vor allem wenn die Erholungsfunktion im Vordergrund steht.

Definiert ist der Begriff des Kleingartens und der kleingärtnerischen Gartennutzung in Absatz 1 des Bundeskleingartengesetzes. Es handelt sich demnach um Gärten, die den Nutzerinnen und Nutzern „zur nichterwerbsmäßigen gärtnerischen Nutzung, insbesondere zur Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf, und zur Erholung dient“. Die meisten Kleingärten sind in Vereinen und deren Gartenanlagen organisiert, die sich im Bundesverband Deutscher Gartenfreund e.V. (BDG) als Dachorganisation zusammengeschlossen haben. Fast eine Million Kleingärtnerinnen und Kleingärtner sind über 20 Landesverbände in den Vereinen organisiert.

Wer sich für einen Kleingarten der Stadt Rüsselsheim am Main interessiert, kann sich bei Manuela Niepelt im Bereich Liegenschaften unter der Telefonnummer 06142 83-2220 melden. Die Gärten werden nur an Rüsselsheimer Bürgerinnen und Bürger vergeben. Für den Schrebergartenverein Rüsselsheim e.V. ist der 1. Vorsitzende Ralf Zuck Ansprechpartner (Kontakt: r.zuck@schrebergarten-online.de, Telefon 0178 2095048), für den Verein Internationaler Garten ist die Vorsitzende Ariane König  Ansprechpartnerin (Kontakt: internationaler-garten@dksb-ruesselsheim.de, Telefon 0157 52903343).

Gabriele Wacker
Stadt Rüsselsheim am Main