Kriftel. „Sport und Flüchtlinge“ – so heißt ein Programm des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport. Es unterstützt in Zusammenarbeit mit der Sportjugend im Landessportbund Hessen Städte und Gemeinden in ihrem Engagement, Sport- und Bewegungsangebote für Flüchtlinge zu initiieren und bewilligt Fördergelder, wenn sich Kommunen oder Vereine am Programm beteiligen.

In Kriftel leben zurzeit etwa 140 Geflüchtete, davon 80 an der Hofheimer Straße. „Für das Zusammenleben ist es von immenser Bedeutung, dass die zu uns gekommenen Menschen an unserem gesellschaftlichen Leben teilhaben und Teil der Gesellschaft werden. Sport- und Bewegungsangebote bieten sehr gute Möglichkeiten, Flüchtlingen schnell und unkompliziert das Ankommen zu erleichtern und Kontakte zu knüpfen“, betont Bürgermeister Christian Seitz. In der Obstbaugemeinde wird es daher ab Juni zwei Sportangebote für geflüchtete Frauen unterschiedlicher Herkunft und Religion geben: und zwar die Kurse „Rückenfitness“ und „Frauen in Bewegung“.

Michael Buch fungiert als „Sport-Coach“

Ziel soll es sein, Hemmschwellen abzubauen“, so der Bürgermeister weiter. „Am Ende soll ja die Normalität stehen, dass die Flüchtlinge wie die Deutschen ganz normal in Vereinen trainieren.“ Ein sogenannter „Sport-Coach“ fungiert dabei als Türöffner: Seitz begrüßte jetzt den IT-Experten Michael Buch im Rathaus, der sich bereit erklärt hat, für die Gemeinde ehrenamtlich diese Aufgabe zu übernehmen – quasi als „Integrationslotse für den Sportbereich“. Das ist Voraussetzung für die Förderung durch das Ministerium. Die Sport-Coaches sind Netzwerker, die vor Ort die Interessen der Beteiligten – Gemeinde, Sportvereine, Asylbetreuung, Flüchtlingsinitiative und Flüchtlinge – bündeln und vermittelnd tätig werden. Michael Buch, der in seiner Freizeit eine Fußballjugendmannschaft trainiert, hat im März bereits eine Schulung des Landessportbundes besucht, sich Angebote überlegt, Trainingsorte sowie eine Trainerin organisiert.

Den Kontakt zu den Flüchtlingen stellt seine Ehefrau Semiha Eroglu-Buch her, die im Rathaus als Sozialarbeiterin tätig ist und vor allem mit der Flüchtlingsarbeit betraut ist. Sie weiß: „Wo man sich zuhause fühlt, integriert man sich schneller.“ Sie war es auch, die anregte, sich im Unterschied zu anderen Kommunen in Kriftel erst einmal auf Frauen zu konzentrieren. „Für die Männer gibt es Angebote. Die Frauen sitzen meist zuhause. Mit diesen Kursen können sie Kontakte zu anderen Frauen knüpfen. Zudem ist Sport für die Frauen meist unüblich. Sie werden so an den Sport herangeführt.“ Für die zumeist kleinen Kinder der etwa 15 Kursteilnehmerin wurde sogar eine Kinderbetreuung während der Kurszeit organisiert. Die Fördersumme von 6000 Euro pro Jahr vom Land Hessen hilft, solche Angebote umzusetzen. Auch Materialien können so angeschafft werden.

Weitere Infos gibt Semiha Eroglu-Buch unter der Nummer 06192/4004-26.

Tina Schehler
Pressestelle der Gemeinde Kriftel