GINSHEIM-GUSTAVSBURG – Die Begeisterung des Publikums kannte keine Grenzen. Sie galt dem einzigen „Literarischen Fantasy-Festival“, das es in Deutschland gibt. Seit 15 Jahren zeichnet Hans J. Jansen verantwortlich für die Organisation dieses außergewöhnlichen Leseevents: Zunächst für das Bücherhaus, Rüsselsheim, seit 2014 für die Buchhandlung in der Villa Herrmann im südhessischen Ginsheim-Gustavsburg. Deren neue Inhaberin, Christina Müllender, freute sich darauf, zum ersten Mal hierfür zusammen mit dem Kulturbüro der Stadt Ginsheim-Gustavsburg als Veranstalterin aufzutreten.
Große Aufregung gab es, als die Open-Air-Lesung wegen Gewitters kurzfristig in die Evangelische Kirche verlegt werden musste. Jedoch Dekoration und Beleuchtung waren stimmig. Und zudem erschuf die Buchhändlerin Monika Trapp, die seit jeher das Fantasy-Festival moderiert und auch dieses Mal kenntnisreich und empathisch durch den Abend führte, eine magische Atmosphäre. Somit waren Publikum und Autoren gut eingestimmt auf eine zauberische Nacht. Die Autorin Sonja Kaiblinger, eigens aus Wien angereist, eröffnete den Reigen mit ihren schaurig-lustigen Abenteuern des „Scary Harry“, seins Zeichens Sensenmann im 522. Dienstjahr und völlig überarbeitet – er sehnt sich danach, endlich mal wieder Urlaub zu machen, anstatt dauernd Seelen einzusammeln. Besonders die jüngeren Zuhörer hatten ihr Vergnügen daran. Swantje Oppermann hatte anschließend ihre Debütlesung mit „Saligia“, einem Coming-of-Age-Roman mit einem Touch Fantasy. Die sieben Todsünden treten hier auf und wollen beherrscht sein.
Ava Reed, sehr sympathisch sehr aufgeregt, konnte zum ersten Mal aus ihrem Fantasyroman „Ashes and Souls“ lesen, der erst im September erscheinen wird. Sie hatte selber großen Spaß daran, ihre originellen Figuren lebendig werden zu lassen. Akram El-Bahay bekam vor zwei Jahren während des 13. Fantasy-Festivals – ebenfalls in einer schwülen Gewitternacht – die Idee, den Klimawandel zum Thema zu machen. Jetzt stellte er in einer fesselnden Lesung seinen Roman „Herzenmacher“ vor, in dem ewiger Winter eine Welt gefangen hält. Auch Karl Olsberg war wiederholt zu Gast, diesmal mit „Boy in a Dead End“. Kann man die Essenz eines Menschen, seine Erfahrungen, Gefühle, Erinnerungen, auf eine Maschine übertragen?? Wird der Traum vom ewigen Leben wahr? Spannend, nachdenklich las er. Charmant eröffnete der Fantasy-Meister Wolfgang Hohlbein seinen Part mit dem Hinweis: „Meine Großmutter hat mir schon gesagt, wenn ich lese, schläft sie ein. Also Achtung!“ und bot dann eine spritzige Lesung aus „Märchenmonds Erben“, trockener Humor, gepaart mit dramatischen Szenen. Die Fans hingen ihm an den Lippen, kein Bonbonpapierrascheln war zu hören! Pünktlich zur Mitternacht las Hohlbein dann zum ersten Mal öffentlich aus „Armageddon, die Nephilim“, einem Thriller, der im November erscheint. Der europaweit aktive Jazz-Drummer Dieter Arnold übersetzte die Texte kongenial in seine Percussion-Kunst. Als Hommage an die Fantasynacht, die er seit 15 Jahren begleitet, und als Dank an die Autorinnen und Autoren, die ihm neue Welten eröffneten, brachte er seine neue CD „Solo for Fantasy“ mit. Die fast 250 Gäste waren von dem fünfstündigen Programm fasziniert. Zudem: Den Lieblingsautor treffen zu können und in Ruhe mit ihm reden zu können – wo ist das sonst möglich? Sehr viele der Zuhörer im Alter zwischen zwischen 8 und 88 Jahren bedankten sich persönlich bei Monika Trapp für das Herzblut, mit dem die
unterschiedlichsten Facetten der Fantastischen Literatur präsentiert wurden. „Ihr macht doch weiter mit dem Fantasy-Festival?!“, war die am meisten gestellte Frage in dieser Nacht. All das zeigt, dass das Buch und seine Leser noch lange nicht „ausgestorben“ sind. Die Faszination für gute Geschichten und für ihre Erzähler ist ungebrochen. „Wir kommen wieder!“

Hans J. Jansen


Fakten
Das Literarische Fantasy Festival organisierte Buchhändler und Journalist Hans J. Jansen zum 15. Mal. Ursprünglich für das Bücherhaus Jansen auf dem Naturschutzgelände der GRKW Flörsheim-Weilbach, seit 2014 für die Buchhandlung in der Villa Herrmann, im parkähnlichen Garten der Villa im südhessischen Ginsheim-Gustavsburg. Es kommen Zuhörer aus ganz Deutschland, und zwar vom Grundschulalter an: drei Generationen überspannt die Fan-Gemeinde. Wolfgang Hohlbein ist immer dabei. Oft sind Nina Blazon, Jens Schumacher, Sonja Kaiblinger, Akram El-Bahay dabei. Isabel Abedi, Markus Heitz, Derek Meister, Antonia Michaelis u.v.a.m. traten auf. Hörbuchsprecher, u.a. Rainer Strecker, lasen aus ins Deutsche übersetzten Büchern. Viele Fantasy-Autoren hatten hier ihr Debüt. Der Loewe Verlag, Bindlach, unterstützt wesentlich. Der Kultursommer Südhessen tritt seit einigen Jahren als Sponsor auf. Das Kulturbüro Ginsheim-Gustavsburg ist seit 2014 Mitveranstalter.