HOCHHEIM – Im ersten Vortrag nach der Sommerpause war bei der Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim über die Baugeschichte und kulturhistorischen Aspekte dieses Renaissancebaues sowie die laufende Sanierung bis hin zur Frage der zukünftigen Nutzung zu hören. Mit Frau Dr. Luzie Bratner als Referentin war eine Expertin gewonnen, die persönlich mit diesbezüglichen Forschungsaufgaben betraut worden war.
Alleine schon wegen der mehr als fünfhundertjährigen Zugehörigkeit Hochheims zum Mainzer Kurfürstentum ein für die Arge Alt-Hochheim beziehungsreiches Thema. Speziell z.B. aber auch für die vielen hundert Hochheimer Schloßgymnasiasten und Besucher anderer Mainzer Gymnasien und Schulen, deren täglicher Weg am „Schloß“ vorbeiführte und für eine ganze Anzahl noch führt.
Nur den wenigsten der zahlreichen Zuhörer war bekannt, dass der 1627 begonnene Schloßbau nach und nach den Platz der vorher dort stehenden mittelalterlichen Martinsburg einnahm und sich in den Wirren der Zeit über eine Gesamtbaudauer von etwa 120 Jahre erstreckte. Als Herrschersitz diente es Kurfürsten und Erzbischöfen bis zum Untergang des Kurfürstentums Anfang des 19. Jahrhunderts, danach als Kaserne, Lazarett und Zollmagazin.
Anfang des 20. Jahrhunderts umfassend saniert brannte das Schloß im 2. Weltkrieg vollständig aus. Nach schneller Wiederherrichtung wurde es bereits 1948 wieder in Betrieb genommen, allerdings ohne die Rekonstruktion der prachtvollen Innenausstattung, wie das auch Millionen von Fernsehzuschauern bei „Mainz bleibt Mainz“ erkennen können. Im Rheinflügel war bis vor kurzem das Rheinisch-Germanische Zentralmuseum etabliert.
Vor 10 Jahren wurde die notwendige Sanierung dieses Denkmals von nationalem Rang begonnen. Zunächst im Fassadenbereich des Isenburgflügels und erst jetzt abgeschlossen. Alleine hierfür war der Mittelaufwand erheblich. Gleichzeitig wurden bauhistorische Entdeckungen gemacht, nach denen im Gebäude z.B. noch einiges mehr von der vorhergehenden Martinsburg steckt als  bisher bekannt war.  Ein Fassadenprogramm mit weit über 100 Kopfporträts von der Antike mit Stadtgründer Drusus über die Schloßbauherren bis zu Forschern und Geistesgrößen des 18. Jahrhunderts, die Mainz besuchten oder dort wirkten (Goethe, Mozart, Forster z.B.) konnte enträtselt werden. Pläne früherer Raumaufteilungen und Abbildungen der prächtigen Innenausstattung sind verfügbar.
Für das weitere Vorgehen raten gewichtige Stimmen die Gelegenheit zu einer einfühlsamen weiteren Außen- und Innensanierung unter Einbezug der angrenzenden Freiflächen zu nutzen, die der baulichen und kunsthistorischen Bedeutung gerecht wird. Die momentane Tendenz der Stadt Mainz als Eigentümerin (seit 1827) geht zu einer Nutzung als Kongreßzentrum. Ein geplanter Hotelneubau auf dem Freigelände wurde verworfen.

Die kenntnisreichen Ausführungen wurden mit starkem Beifall bedankt.

An dem Vortragsabend konnten mit Toni Munck und Franz-Josef Preis zwei aktiven Mitgliedern zu ihren 90. Geburtstagen beglückwünscht werden.

Besonders bedankt wurde Herr Preis für seine Spendenaktion zum Zweck von Renovierungsarbeiten an der Madonna auf dem Plan, die fast 2.500,00 Euro erbrachte.

Klaus Umstätter