HOCHHEIM – Bei der Saalfastnacht von Alt-Hochheim im Klosterhof gings wieder närrisch bunt her. Nachdem der Vorsitzende Klaus Umstätter die Narrengemeinde begrüßt hatte, übernahm der traditionelle Sitzungspräsident Bernd Nida das Zepter. Wie immer assistierte sein „Altargeschenk“ Juliane routiniert als Uffstumperin, führte die Vortragenden nach vorne und garnierte die diesjährigen Ordenträger mit Küsschen. Der von Udo Möller kreierte Orden bildet als weiteres Unikat der Reihe Hochheimer Sehenswürdigkeiten  diesmal das leider nicht mehr existierende Anwesen der Sektkellerei Fuchs & Werum ab. Am Klavier saß wieder Lothar Ortmann.

Marianne Luschberger-Eser – Foto: Udo Möller

Bernd Nida verkündete als Kampagne-Motto „Vierfach bunt wie jedes Jahr, Fassenacht bei AAH“ und bat „unter Verzicht auf die übliche Sprüch“ nach den ersten Helau-Schlachtenrufen Jürgen Krämer als Besenschwingenden Gassekehrer in die Bütt.

Sein Besen führte im Stil der politisch – literarischen  Fassenacht in Hochheims Ecken: Als wenn’s ne Überraschung wär, das Rathaus kost eh bische mehr ….Er macht aber auch vor AWO, AfD oder Bonpflicht nicht halt und wirbelt auf der  Weltbühne um Trump, Putin, Erdogan und andere Unruhestifter.

Den Kehrstaub kaum verkraftet wurde die Narrenschar von einer Dame aus dem Altstadtadel in eine Mundartprüfung eingebunden, bei der jeweils die ersten Reimteile vorgegeben und die zweiten Teile zu ergänzen waren. Etwa: Eine Traube – is en Pergel, ein schmutziges Kind – des iss en Ferkel. Ein Weinbergspfahl – des is en Stickel, und ein Hahn – des is en Gickel… Die Prüferin alias Marianne Luschberger-Eser konnte allerdings auch bei starkem Wohlwollen einige Dialektlücken nicht überhören, so dass es nahe lag das Ganze als Schulung für  „Haargeloffene“ zu beenden.

Ihrem Bezug zur Altstadt treu bleibend erschien die Hochemerin im späteren Verlauf noch einmal perfekt kostümiert als streunende Altstadtkatze. Manche Erinnerung wurde geweckt wenn zu hören war in welchen Gassen, Höfen, Häusern und Familien sie in ihrer Kätzchenphase zugange war.

Sonja Velten – Foto: Udo Möller

Erstmals hatte man mit Sonja Velten eine Weinkönigin-Bewerberin zu Gast, die sich zudem schon als „Sonja I“ gewählt wähnte: Sonja, Mensch! denk ich „Ei du als Durchlaucht! das wär doch mal was, wo die Sauferei auch was tau(g)cht“.  Die von der Jury gnadenlos aufgedeckten physischen und intellektuellen Mängel ließen halt am Ende nur einen Auftritt in der Bütt zu – der aber war grandios.

Dann gings um Frauen und Technikverständniss. Doris Möller und Doris Fichtner bestätigten diese scheinbare Unvereinbarkeit in ihrem Sketch über einen Autoreifenkauf. Als die Verkäuferin Doris auf ihre Frage „Welches Auto fahren Sie denn“ zur Antwort erhielt „Ein gelbes“ war schon offenbar wie kompliziert dieser Reifenkauf würde, der dann auch scheitern musste.

Schwer am Schicksal zu tragen hätte er als frischer Rentner behauptete Horst Bornheimer: “ Im Büro noch der Bestimmer – doch nach dem Wechsel wurde alles schlimmer“.  Alleine schon nachvollziehbar beim nun mehr in der  Mitzuständigkeit liegenden Einkauf im Supermarkt. Kampf um den Parkplatz und den Einkaufswagen, Missverständnisse mit den Verkäufern und selbst die Labsal am Bier-Werbestand war ein Genuss mit lästigen Folgen.

Achim Munck – Udo Möller

Dein Vortrag hat mich informiert, ich bin jetzt völlig grundsaniert. So lautete die Verabschiedung des Sitzungspräsidenten für Achim Munck, der als Wiederkehrender Gebühreneintreiber der Stadt Hochheim die Narrenschar faszinierte. In seiner unnachahmlichen Art nahm er in freier Rede die Diskussionen um die Straßengebühren und den Zustand so mancher Ortsstraßen aufs Korn. Er hatte sogar logische Erklärungen dafür, dass der Berliner Platz wahrscheinlich seit keltischer und römischer Zeit nicht mehr saniert wurde.

Für das musikalische Finale sorgten mit Herri Schlosser, Ernst-Willi Hofmann und Erich Rötting „Die Drei von aam Jahrgang“. Ihrer Einladung den lustigen Kreationen zuzuhören und spätestens die Refrains mitzusingen folgten die Narrenschar bereitwilligst. Mit dem inbrünstig gemeinsam gesungenen Sierra Madre klang ein wunderschöner gemeinsamer Abend aus, der mit den Dankesworten des Sitzungspräsidenten an alle Beteiligten sein Ende fand.

Kalus Einsiedel