FLÖRSHEIM – „Wahnsinn!“, entfuhr es dem Okrifteler Willi Reinhart, und dann: “Das gibt‘s doch nicht!“ Die Stellungsnahme seines neben ihm stehenden Mitstreiters Bernd Zürn aus Weilbach war deutlich kürzer, nämlich: „Wow!“

Ort des Geschehens: Der Friedhof in Hattersheim. An diesem Ort der Trauer hatten die beiden umtriebigen Umweltschützer Grund zur Freude. Beim Reinigen der Meisenkästen fanden sie am vergangenen Sonntag um die Mittagszeit einen Nistkasten, der randvoll mit Moos und trockenem Gras gefüllt war. Beim vorsichtigen Entfernen trauten sie ihren Augen nicht: Eng  zusammengerollt hielten dort sechs Gartenschläfer ihren Winterschlaf. Und das in einem relativ kleinen Meisennistkasten! Bis zu vier dieser putzigen ‚Zorros‘ mit dem schwarzen Augenstreif hatten Reinhart und Zürn in den vielen Jahren ihres Einsatzes ab und zu in einem einzigen Nistkasten gefunden. Aber sechs?!  Diese kleine Sensation wollte Bernd Zürn fotografieren. In der kurzen Zeit, die er für die Foto-Vorbereitung benötigte, sprangen drei der zuvor noch fest schlafenden Gesellen aus ihrem engen Behältnis und suchten das Weite. Folge: Zürn konnte nur noch drei von ihnen ablichten. Die Enttäuschung war natürlich groß.

Foto: Bernd Zürn

Erschreckender Rückgang der Gartenschläfer
Dieser Hattersheimer Sechslings-Fund war selbst für Susanne Schneider überraschend. Sie leitet das Forschungsprojekt „Spurensuche Gartenschläfer“. In dieser auf sechs Jahre angelegten Untersuchung wollen die Uni Gießen, die Senckenberggesellschaft und der BUND Hessen mehr über das Leben dieser nachtaktiven Tiere herausfinden. Ursache dafür ist der europaweite erschreckende Rückgang dieser Bilch-Art um fast 80 Prozent. Warum sie in der Rhein-Main-Region immer noch so zahlreich vorkommen, auch das soll dabei heraus gefunden werden.

Der Großteil der flinken Kletterer beendet erfahrungsgemäß Ende März/Anfang April seinen Winterschlaf. Dann verlassen sie ihre Nistkastenquartiere und suchen sich eine neue Bleibe. Oft in Gartenhütten, aber auch auf Dachböden von Häusern. Sehr zum Leidwesen der dort wohnenden Menschen. Denen können die nächtlichen Aktivitäten von Eliomys quercinus, so sein wissenschaftlicher Name, dann ganz schön auf die Nerven gehen.

Bernd Zürn