HOFHEIM – „Da rollt etwas auf uns zu“: So fasst Kreisbeigeordneter Johannes Baron eine Untersuchung zur Entwicklung auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zusammen. Demnach würden bis zum Jahr 2024 insgesamt 4200 Arbeitsplätze nicht mit Fachkräften besetzt werden können. Der Kreis müsse gemeinsam mit allen Akteuren auf dem Arbeitsmarkt erhebliche Anstrengungen unternehmen, um gegenzusteuern. Dazu zählt er Betriebe und ihre Kammern, die Vertretungen der Arbeitnehmer und die Kommunalverwaltungen. Der Sozialdezernent beruft sich auf eine regionale Studie, auf deren Basis eine „Ausbildungs- und Arbeitsmarktstrategie für den Main-Taunus-Kreis“ entwickelt wurde.
Die Studie „regio pro“, erstellt im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums, errechnete den Bedarf an Fachkräften in den verschiedenen Branchen. Dabei flossen verschiedene Entwicklungen ein, etwa das Branchenwachstum einerseits und die Abgänge in die Rente andererseits. Sie markiert aus heutiger Sicht die Lage in fünf Jahren. Demnach werden in praktisch allen Branchen Fachkräfte
fehlen. Baron zufolge belegt die Studie: „Das Schlagwort vom Fachkräftemangel gründet nicht auf einem dumpfen Bauchgefühl oder Panikmache, sondern das ist mit klaren Zahlen belegt.“
In anderen Kreisen der Region sieht es nach Angaben von Baron ähnlich aus: „Wir können also nicht auf Fachkräfte aus Nachbarkreisen setzen. Sie müssen sich in erster Linie aus den hier lebenden Menschen rekrutieren oder von weiter weg kommen. Ein solcher Zuzug aber verstärke den Druck auf den Wohnungsmarkt; es bleibe also eine politische Herausforderung in den Kommunen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen oder zu ermöglichen. „Das zeigt, wie alles zusammenhängt: Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, so der Sozialdezernent.
Gemeinsam mit den Verfassern der Studie hatte der Kreis die Ergebnisse der Studie zunächst intern analysiert und daraus Handlungsschritte abgeleitet. Um dem Fachkräftemangel abzuhelfen, muss der Kreis Baron zufolge gemeinsam mit den Kommunen, den Betrieben, der Industrie- und Handwerkskammer sowie zahlreichen anderen Institutionen seine Anstrengungen verstärken – etwa
bei der Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen oder beim Sprachunterricht für Flüchtlinge. Zudem müssten neue Wege gegangen werden. So habe der Kreis in Zusammenarbeit mit der Hochschule Fulda ein duales Studium angeboten; das Konzept könne ausgebaut werden. Auch müssten mehr Gymnasiasten motiviert werden, statt eines Studiums eine duale Ausbildung anzuschließen. Wichtig sei aber auch die Information über die Bildungsgänge und die Ausbildungswege; die seien beispielsweise vielen Flüchtlingen nicht bekannt.
Als Konsequenz aus einer Gesetzesänderung habe der Kreis bereits eine neue Stelle eingerichtet worden, um neue Möglichkeiten für eine vereinfachte Zuwanderung von Fachkräften zu nutzen.

Erstellt wurde die Studie vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur an der Universität Frankfurt. Baron stellte die Ergebnisse und das Konzept im Kreisausschuss vor; darüber wird demnächst auch in Fachausschüssen beraten.

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