KRIFTEL – 40 Jahre im Krifteler Rathaus – auf dieses ganz besondere Jubiläum wollte Franz Jirasek am Mittwoch gerne mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Gemeindeverwaltung und politischen Weggefährten anstoßen. Doch die Corona-Krise machte dies nicht möglich. „Ich hätte gerne ein bisschen gefeiert. Nach einer so langen Zeit im Rathaus ist eine große Verbundenheit zu den Mitarbeitern und den Mitgliedern der Gemeindegremien da, die durch eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit gekennzeichnet ist. Viele Freundschaften sind entstanden. Doch zurzeit steht klar die Krisenbewältigung im Vordergrund“, so der Erste Beigeordnete.

„Das wird aber nachgeholt“, ist sich Bürgermeister Christian Seitz sicher. Er betont: „Franz Jirasek ist ein Glücksfall für Kriftel. Er hat in den letzten 40 Jahren die Gemeinde entscheidend mit entwickelt und geprägt – vor allem natürlich in den letzten 14 Jahren als Erster Beigeordneter. Darauf kann er zu Recht stolz sein. Es macht viel Spaß, mit ihm zusammen zu arbeiten.“

Auch wenn nicht richtig gefeiert werden konnte war der 1. April für Franz Jirasek trotzdem kein „normaler“ Arbeitstag: Das Telefon stand den ganzen Tag nicht still. „Dass so viele Menschen an das Jubiläum denken, das hätte ich nicht gedacht“, sagt der Jubilar.

Franz Jirasek ist stolz auf das, was er in Kriftel in diesen vier Jahrzehnten erreichen und vor allem bewegen konnte, sagt er. Er habe sich all die Jahre immer mit seiner Arbeit identifiziert. „Mein absoluter Traumjob“, sagt er lächelnd. Für diesen hat er auch einen Großteil seiner Freizeit „geopfert“. Nicht nur die jahrelange Tätigkeit als büroleitender Beamter sei spannend und erfüllend gewesen. „Die Entscheidung, 2006 zum Wahlbeamten zu wechseln, war richtig. Ging es vorher darum, Beschlüsse der Gemeindevertreter umzusetzen, wurde ich als Erster Beigeordneter zum Gestalter und Mitentscheider.“ Auch mit der Verteilung der Dezernate konnte er sich Themen widmen, die ihm am Herzen liegen: der Gemeindeentwicklung, dem Bauen, der Wirtschaftsförderung, Ordnungsbehörde und auch ganz aktuell der Digitalisierung der Verwaltung.

Bürgermeister Börs „entdeckte“ Jirasek
Am 1. September 1974 trat Jirasek seine Ausbildung zum Bundesbahnassistentenanwärter an. Er war 23 Jahre alt, als Bürgermeister Hans-Werner Börs (1970 bis 1994) den fertigen Assistenten nach Kriftel holte, wo er seine berufliche Laufbahn im Krifteler Rathaus fortsetzte. Sein strebsamer Aufwärtstrieb führte vom Sekretär bis in den höheren allgemeinen Verwaltungsdienst, zum Verwaltungsoberrat und schließlich Büroleitenden Beamten. Dankbar ist er noch heute, dass ihm Börs den Übergang in den gehobenen Dienst per Studium ermöglichte. „Das Studium war damals noch ganz neu in Hessen“, so der 63-Jährige Diplom-Verwaltungswirt. Als zweitbester Hesse seines Jahrgangs schloss er es 1985 ab.

Auch Bürgermeister Paul Dünte förderte ihn. Mit der Wahl von Christian Seitz 2006 zum Bürgermeister Kriftels riskierte Jirasek seine Sicherheit als Beamter, wurde Wahlbeamter und zum Ersten Beigeordneter gewählt. 2012 gelang Jirasek wie Seitz die Wiederwahl.

Jirasek konnte an der modernen Entwicklung Kriftels mitarbeiten: Das Neubaugebiet „Engler“ entstand, Kriftel wurde wichtiger „Schulstandort“ im MTK mit weiterführender Weingartenschule und der Beruflichen Konrad-Adenauer-Schule (KAS), die neue Ortsmitte mit Einkaufs- und Wohnzentrum wurde geschaffen, der Freizeitpark in weiteren Bauabschnitten angelegt, die Große Schwarzbachhalle neben der Kleinen gebaut, der Friedhof erweitert, die „Ziegelei-Grube“ verfüllt, der „Erdbeeracker“ bebaut und das neue Zuzugs-Wohngebiet „Alte Ziegelei“ entworfen, die Kläranlage im Gewerbegebiet modernisiert und ausgebaut, der Flächennutzungsplan (FNP) der Gemeinde genehmigt, die Gewerbeansiedlung gefördert, das Vereinswesen in der Gemeinde unterstützt – auch das ehrenamtliche Engagement zahlreicher Bürger mit ständiger Förderung und Anerkennung bedacht.

Neben Bürgermeister Christian Seitz rückte er die Wirtschaft stärker in den Fokus: Jirasek wurde „offensiver“ Leiter der Wirtschaftsförderung Kriftel und erzielte aufsehenerregende Erfolge. Die Bilanz: neues Einkaufszentrum am Rande der Gemeinde („Krifteler Märkte“), ein Dach-Fachmarkt, neue Lebensmittelgeschäfte und Discounter und die Ansiedlung des Hofheimer Traditionsbackhauses Heislitz in Kriftel, lukrativer Verkauf eines Grundstücks an die Betreiber des Umspannwerkes und vieles mehr.

Mit dem Bau der zweiten Erschließungsstraße im Gewerbegebiet gelang es, die vor Jahrzehnten entworfene Planung sogar wesentlich günstiger als geplant zu realisieren, dort staufrei ein- und auszufahren. Damit verknüpfte sich die Vorstellung vom Baugebiet „Am Krifteler Wäldchen“ als Mischgebiet von Wohnen und Gewerbe.

Mammutaufgaben bewältigt
In Kooperation mit Hofheim ist die umfangreiche Schmelzwegsanierung nach zwei Jahren Bauzeit geschafft. Der Neubau beziehungsweise die Sanierung der Kindergärten Linsenberg, Obstgärtchen, Vogelnest und St. Vitus fallen in seine Amtszeit. Letztere soll in wenigen Wochen eröffnet werden.

Die neuen Pflege- und Wohnheimeinrichtungen Am Freizeitpark mit der Idealanbindung in Kreis und Kreisstadt und Nähe zur Mitte der Gemeinde entstanden, mit der beginnenden Bahnhofsvorplatzbebauung wurde eine alte städtebauliche Lücke geschlossen und mit der Entstehung der Schulsporthalle an der KAS ist der Sport in Kriftel perfekt mit Trainingsmöglichkeiten ausgestattet. Die Bebauung des Gebietes „Am Krifteler Wäldchen“ und der Wohnungsbau in der Raiffeisenstraße würde er gerne in den nächsten Jahren noch auf den Weg und eventuell sogar zu Ende bringen.

Eine große Herausforderung war 2015/16 die Flüchtlingskrise. „In kürzester Zeit mussten Unterkünfte für über 100 Asylbewerber errichtet werden“, weiß der Marxheimer. Auch die Corona-Krise sei eine solche. Nur sei hier nicht abzuschätzen, wie es weiter geht.

„Es sind immer auch die kleinen Dinge, die mir wichtig sind“, betont Jirasek, der sich selbst ehrenamtlich in Kriftel als Vorsitzender des DRK und der Turn- und Sportgemeinde (TuS) engagiert. „Zum Beispiel der Hinweis von Bürgern, wo vielleicht eine Sitzbank fehlt, oder wie Verbesserungen für Menschen mit Einschränkungen umgesetzt werden können.“ So geht er jedes Jahr persönlich beim „Heckenspaziergang“ von Tür zu Tür. Kriftel, so Jirasek, und auch die gute Zusammenarbeit mit Bürgermeister Christian Seitz, mit dem ihn eine Freundschaft verbindet, sei etwas ganz Besonderes. „Kriftel ist ein Gefühl!“ findet er.

Pressestelle der Gemeinde Kriftel