KASTEL – Von Norden über die Handelswege kommend fiel im Jahr 1666 der schwarze Tod, die Pest, in Kastel ein. Der Mainzer Kurfürst reagierte sehr schnell und schickte am 5. Juni 1666 den Gesellen des Mainzer Barbiers, Leopold Weigelsleben aus Graz in der Steiermark, nach Kastel. Dieser sollte den Kranken beistehen.

Weigelsleben hatte vom Kurfürsten die Zusage, dass er sich, wenn die Pest ausgestanden sei, in Mainz als Barbier niederlassen könne, ohne dass die Zunft der Barbiere hierzu gefragt werden müsse.

Er wurde mit Lebensmitteln und Medikamenten ausgestattet, die er zu verteilen hatte. Täglich musste er Berichte für den Kurfürsten erstellen – über die Anzahl der Toten und der Neufälle sowie über Beobachtungen, die er bei der Pflege der Kranken machte.

Bild: Privat

Die Pest- Ärzte der damaligen Zeit wussten, wie man sich gegen den Virus schützen konnte. In einem langen Ledermantel und mit Schnabelmaske wollte man den Pestvirus fernhalten. Zusätzlich tropfte man einen Kräutersud in die Maske.

Dass die Ratten bzw. der Rattenfloh der Überbringer des Pestvirus war, stellte man damals schon bei Beobachtungen fest, aber wissenschaftliche Untersuchungen lagen noch nicht vor. Der Rattenfloh verließ den toten und kalten Körper und suchte sich einen neuen.

Maßnahmen wurden durch den Kurfürsten angeordnet. Man hatte beobachtet, dass diese Seuche an schmutzigen Orten immer zuerst ausbrach.  Daher mussten Misthaufen und Vieh aus der Stadt entfernen werden.  Ein Versammlungsverbot wurde erteilt und Kirchenbesuche ausgesetzt. Die Wohnungen wurden ausgeräuchert; Kastel von der Außenwelt isoliert.

Dem Kasteler Dechanten, Jakobus Niemand, befahl der Kurfürst um die Kirche eine acht Fuß hohe Mauer zu erstellen. Es gab nur einen Eingang, der durch die Stadtwache kontrolliert wurde. Alle Pestkranken waren innerhalb der Mauer unterzubringen und dort zu pflegen, abgeschirmt von der Außenwelt. Besuche waren untersagt. Es gab zwei Arten der Pest: die Beulenpest und die Lungenpest.  Wurde man mit dem Pestbazillus angesteckt, so starb man oft eines qualvollen Todes nach nur drei Tagen. Nur sehr wenige überlebten diese Krankheit. Wurde die Krankheit besiegt, so war man ein Leben lang immun gegen den Pestbazillus. Direkt an der Kirche, innerhalb der Mauern befand sich ein Friedhof. Dort wurden die Pesttoten bestattet, wobei dieser Friedhof schnell überfüllt war, so dass in Massengräbern beigesetzt wurde.

In ihrer größten Not besannen sich die Kasteler auf Gott und beteten zum Schutzpatron der Pestkranken, dem heiligen Rochus, dass die Pest ein Ende finden sollte. Sie gelobten alljährlich eine Prozession zur Heilig-Kreuz-Kirche in Mainz zu unternehmen und dabei eine 15-pfündige Wachskerze mitzutragen.

Nach kurzer Zeit hatte die Pest aufgehört zu wüten. Die Kasteler Bevölkerung zählte vor Ausbruch der Pest 920 Personen. Das Ende der Epidemie haben nur 500 Personen überlebt.

Klaus Lehne