RÜSSELSHEIM – „Mit Ultraschall gegen Prostatakrebs“ hieß vor rund 10 Jahren die Schlagzeile, mit der auf ein neues Behandlungsangebot für Patienten mit Prostatakrebs im GPR-Klinikum in Rüsselsheim aufmerksam gemacht wurde. Seitdem wurden über 150 Patienten mit gutem Erfolg behandelt. Die Anwendung von Ultraschall als harmlose und schmerzfreie Untersuchungsmethode ist heutzutage Standard in der medizinischen Diagnostik. Dass Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU)  aber auch in der Behandlung von Prostatakrebs eingesetzt wird, ist zwar eine seit Jahren etablierte Behandlungsmethode, trotzdem ist diese Möglichkeit vielen Patienten nicht bekannt. Die Klinik für Urologie, Kinderurologie und onkologische Urologie des GPR Klinikums in Rüsselsheim unter der Leitung von Dr. Guido Platz lässt die bisherigen guten Erfahrungen mit der Ultraschallbehandlung nun auch in die Behandlung mit der verbesserten, neuesten Gerätegeneration einfließen.

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung beim Mann. Allein in Deutschland rechnet man mit mittlerweile ca. 60.000 Neuerkrankungen sowie rund 11.000 Todesfällen pro Jahr. Für viele Männer bedeutet diese Diagnose mit der daraus resultierenden Behandlung eine erhebliche Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität.

Als Standardtherapie zur Heilung von Prostatakrebs gilt die radikal-chirurgische Entfernung der Prostata, wie sie auch in Rüsselsheim seit Jahren erfolgreich durchgeführt wird. Eine Alternative zur Operation ist die Strahlentherapie der Prostata, wie sie beispielsweise von der Strahlentherapiepraxis RheinMainNahe, einem engen Kooperationspartner der Klinik für Urologie, angeboten wird. Beide Behandlungsmethoden sind sehr erfolgreich in der Primärtherapie des lokal begrenzten, also noch nicht ausgebreiteten Prostatakarzinoms und die wichtigste Behandlungsart im Kampf gegen den Prostatakrebs. Allerdings sind mit beiden Methoden durchaus auch erhebliche Belastungen für den Patienten verbunden.

Nun gibt es aber Männer mit nur kleinen, sogenannten „Niedrig-Risiko-Tumoren“, bei denen eine Behandlung zwar sinnvoll erscheint, die aber aus medizinischen Gründen für eine radikale Vorgehensweise ungeeignet sind oder bei denen eine radikale Operation oder auch eine Strahlenbehandlung eine Übertherapie darstellen würde.

Wurde in den vergangenen Jahren beim Einsatz der HIFU-Therapie in der Regel die ganze Prostata mittels hochenergetischem Ultraschall therapiert, hat sich dies mit der neuesten Gerätegeneration, dem sogenannten „Focal-One“ verändert. Jetzt ist der Urologe in der Lage, sich genauer an den Ergebnissen der Prostatabiopsie zu orientieren und nur gezielt, also fokal, die befallenen Areale in der Prostata zu behandeln. Für den Patienten bedeutet dies eine wesentlich schonendere Vorgehensweise mit noch weniger Nebenwirkungen bei gleicher Behandlungssicherheit. Aber auch Patienten, bei denen sich nach einer Strahlentherapie erneut Krebszellen in der Prostata finden, können mit der fokalen HIFU-Therapie schonend behandelt werden.

„Da eine nochmalige Bestrahlung der Prostata nicht möglich ist, bietet der hochintensive fokussierte Ultraschall eine weitere gute Chance auf Heilung“ so Dr. med. Guido Platz, Chefarzt der Urologie am GPR Klinikum.

Welche Art der Behandlung sich letztendlich für welchen betroffenen Mann eignet, finden Arzt und Patient in einem gemeinsamen Gespräch heraus. Wichtigstes Kriterium ist dabei die individuelle Einschätzung der Situation des Betroffenen. „Für diese Beratungsgespräche nehmen wir uns ausreichend Zeit, damit der Patient in aller Ruhe das Für und Wider der einzelnen Verfahren abwägen kann“, versichert Dr. Platz.

„Mit dieser neuesten Gerätegeneration in der hochenergetischen Ultraschall-Therapie können wir den Bürgern der Stadt Rüsselsheim und der Region eine weitere Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten im GPR Klinikum anbieten. Diese Therapien können mit höchster Präzision durchgeführt werden und operative Eingriffe werden für unsere Patienten noch sicherer. Das GPR Klinikum investiert jährlich mehr als 2 Millionen Euro in die Verbesserung der medizinischen Infrastruktur und sorgt damit für eine stetige Weiterentwicklung der Versorgung“, erklärte Achim Neyer, Geschäftsführer des GPR Gesundheits- und Pflegezentrums Rüsselsheim.


Hintergrund

Schonende Behandlung ohne Skalpell
Der narkotisierte Patient liegt gut gepolstert mit angewinkelten Beinen auf der rechten Seite. Die Behandlungssonde wird durch den Enddarm an die Prostata herangeführt. Mittels Ultraschall vermisst der Arzt das Organ und legt die Behandlungsgrenzen fest. Dabei wird besondere Rücksicht auf die umgebenden Nerven genommen, um Folgeschäden zu vermeiden. Nachdem der Computer dann die zu therapierenden Bezirke berechnet hat, werden die gebündelten Schallwellen berührungsfrei und millimetergenau durch die Darmwand auf das Prostatagewebe übertragen. Temperaturen von 85 bis 90° Celsius und der Druck der Schallwellen zerstören gezielt das Tumorgewebe. Während der gesamten Behandlungsdauer, die je nach Größe des Behandlungsfeldes zwischen einer und anderthalb Stunden beträgt, überwacht der Urologe den Behandlungsablauf und ein Narkosearzt das Wohlbefinden des Patienten.

Schon wenige Stunden nach dem Eingriff darf der Patient aufstehen sowie Essen und Trinken. Auf Grund der minimalen Belastung ist ein kurzer stationärer Aufenthalt von zwei Tagen in der Regel ausreichend. Die Kosten der Behandlung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

„Selbstverständlich sprechen wir in unseren Beratungsgesprächen auch die möglichen Folgen wie Harninkontinenz und Impotenz an“, erläutert Dr. Platz. Einer der großen Vorteile der fokalen Behandlungsmethode liegt vor allem darin, dass durch die zielgerichtete, umschriebene Behandlung der Prostata, die notwendigen Gefäße und Nerven geschont und somit die Kontinenz und die Erektionsfähigkeit sehr viel besser erhalten werden kann als dies nach einer Operation der Fall ist.

Das übergreifende Behandlungskonzept des Prostatakarzinoms in der Urologie im GPR Klinikum Rüsselsheim, bestehend aus Diagnostik, operativer Therapie und medikamentöser bzw. Chemotherapie, wird nun durch die fokale Therapie mit hochintensivem fokussierten Ultraschall (HIFU) im Sinne der Krebspatienten optimal ergänzt.

Fokale HIFU ist die geeignete Therapie:

  • Bei Männern mit einem „Niedrig-Risiko-Karzinom“:

o          Alter ≥ 70 Jahre

o          Lokal begrenztem Tumor

o          PSA ≤ 15 ng/dl

  • Wenn Potenzerhalt gewünscht wird
  • Bei Unverträglichkeit oder nicht ausreichender Wirkung einer Hormonbehandlung
  • Bei lokal begrenztem Tumor, wenn die radikale Operation aus medizinischen Gründen oder auf Wunsch des Patienten ausgeschlossen wird
  • Wenn nach Strahlentherapie erneut ein Prostatakarzinom nachgewiesen wird

Joachim Haas