RÜSSELSHEIM –  Seit dem 16. März waren die Kindertagesstätten landesweit für den regulären Betrieb pandemiebedingt geschlossen. Nach elf Wochen Notbetreuung starteten sie vergangene Woche, am 2. Juni, in die nächste Phase und gingen in den sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb über. Nach der ersten Woche kann Rüsselsheims Bürgermeister und Sozialdezernent Dennis Grieser vermelden: „Jede städtische Kita ist inzwischen im eingeschränkten Regelbetrieb angekommen. Und jedem Kind mit Betreuungsanmeldung haben wir ein Angebot unterbreiten können.“

Damit besuchen im Rahmen des eingeschränkten Regelbetriebs von den rund 2.045 Kinder, die derzeit in einer städtischen Kita aufgenommen sind, 966 Kinder wieder eine Kita in Rüsselsheim. Die Kinder kommen dabei in unterschiedlicher Weise zurück in die Kitas: Weitestgehend vollumfänglich, also täglich und wenn nötig ganztägig, werden zunächst alle die Kinder betreut, die einen Anspruch auf Notbetreuung haben. Dies sind in der Regel Kinder von berufstätigen Eltern, wo ein Elternteil zu systemrelevanten Berufsgruppen zählt oder alleinerziehend berufstätig ist. Die übrigen Kinder, die nach einer stadtweiten Abfrage bei sämtlichen Kitafamilien einen Betreuungsbedarf angemeldet haben, kommen dann, abhängig von den Raum- und Personalkapazitäten der jeweiligen Kita, im Wechsel stunden- oder tageweise in die Gruppen.

Dahinter steckt ein Kraftakt der Kitaverwaltung und der Kitas, denn die Vorgaben des Landes waren nur allgemeiner Natur und kamen sehr spät. „Die Vorbereitungen im Vorfeld waren immens und mussten unter großem Zeitdruck kita-individuell erarbeitet werden. Doch nach einer Woche mit dem eingeschränkten Regelbetrieb können wir ein erstes positives Fazit ziehen“, erklärt Grieser. Die Stadtverwaltung hatte alle Kitas um eine Rückmeldung gebeten, wie der Start verlaufen ist. Fast ausnahmslos berichten sie über eine gute Grundstimmung bei den Eltern sowie den Erzieherinnen und Erziehern, die sich darüber freuten, dass der Betrieb wieder begonnen habe. „Dafür möchte ich allen Kitas und ihren Mitarbeitenden, der Verwaltung, aber vor allem den Eltern danken, dass sie gemeinsam an einem Strang gezogen und so den fast reibungslosen Start ermöglicht haben“, so der Sozialdezernent.

Die erste Woche war geprägt vom Wiedersehen und auch wieder Eingewöhnen. Schließlich haben die Kinder sich knapp drei Monate nicht mehr gesehen. Und auch die Abläufe in der Kita sind noch weit entfernt vom normalen Kita-Alltag. Das beginnt bei den verringerten Gruppengrößen und der eingeschränkten Freizügigkeit, sich nicht mehr überall frei in der Kita bewegen zu dürfen. Um die vom Kreisgesundheitsamt empfohlenen Abstandsregeln einhalten zu können, sind die Gruppen der Kindergärten (Ü3) auf 12 Kinder und in den Krippen (U3) auf sechs Kinder begrenzt. Dabei bleiben die jeweiligen Gruppen unter sich, Kinder und Kita-Personal sind den Räumen fest zugeordnet. „Die städtischen Kitas arbeiten nach dem offenen oder zumindest teiloffenen Konzept. Die jetzige pädagogische Arbeit läuft unserer Konzeption entgegen. Dennoch versuchen wir in den Gruppen die Partizipation von Kindern im gegebenen Rahmen zu berücksichtigen, auch wenn manches auf der Strecke bleibt. Aber wir arrangieren uns und machen das Beste draus“, sagt Sabine Rexroth, Leiterin der Kita Amselfeldstraße. Das taten im Übrigen auch die Kinder, denen, wie die Kitas rückmelden, die Freude über die Rückkehr deutlich anzumerken war.

Auch wenn bei einigen Erzieherinnen und Erzieher wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr anfänglich Bedenken bestanden, wächst inzwischen das Vertrauen in die erarbeiteten Hygiene- und Schutzkonzepte. Das zeigen die vielen positiven Rückmeldungen der Kita-Leitungen, die fast täglich im Kontakt mit der Stadt stehen. „Die Stimmung im Team ist gut. Alle freuen sich auf die Kinder und sich wieder als Gesamtteam zu sehen. Zwar haben wir auch ein bisschen Sorge, ob wir hinsichtlich der Hygienevorschriften alles richtig machen, aber wir sind guten Mutes, die kommenden Tage gut zu meistern“, bestätigt Monica Zajonz von der Kita Sachsenweg stellvertretend für viele Kitas.

Die Reaktionen der Eltern sind nicht ganz so einheitlich. Einige Familien haben ihre Kinder bis zu den Sommerferien gleich ganz abgemeldet. Entweder weil ihnen das Risiko weiterhin zu hoch ist oder weil sie ihren Kindern eine Betreuung unter den erforderlichen Rahmenbedingungen und strengen Hygieneanforderungen nicht zumuten wollen. Diejenigen, die ihre Kinder dagegen zur Betreuung in die Kita gebracht haben, zeigten sich erfreut und zufrieden mit den Abläufen. Dazwischen gibt es die Eltern, die sich noch nicht entschieden haben und Fragen haben: Wie sicher ist es? Wie sind die Abläufe im Kitaalltag? Wie läuft die Bedarfsprüfung? Viele dieser Fragen konnten im Laufe der Woche im direkten Kontakt mit den Eltern oder gemeinsam mit dem Stadtkitabeirat geklärt werden. „Auch wenn sich natürlich die Familien die Rückkehr zur Normalität wünschen, ist die Lage insgesamt entspannt. Wir halten fast täglich Kontakt mit allen Eltern und den Elternbeiräten, so dass sie sich gut informiert fühlen und wissen, warum wir nicht innerhalb von wenigen Tagen von Null auf Hundert durchstarten können“, erläutert Carina Hauf, Leiterin der Kita Adolf-von-Menzel-Straße.

Sozialdezernent Dennis Grieser macht die aktuelle Situation auf jeden Fall Mut. Bei aller weiterhin gebotenen Vorsicht strebt er eine möglichst schnelle Rückkehr in den Regelbetrieb an: „Die Infektionszahlen sind deutlich rückläufig. Von daher habe ich die Hoffnung, dass die Landesregierung weiterer Schritte der Öffnung bald auf den Weg bringt.“

Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main
Fachbereich Zentrales