KRIFTEL – „Genau – Gemeinsam für Natur und Umwelt“ heißt die Umweltlotterie von Lotto Hessen. Mit den Lotto-Erlösen werden Naturschutz- und Umweltprojekte in Hessen unterstützt. Seit 15. April 2016 präsentiert die HR-Sendung „alle wetter!“ die Gewinnerprojekte. Am Freitag, den 10. Juli, 19.15 Uhr war jetzt die Gemeinde Kriftel Teil des Programms: Hier wurde über die Umwandlung einer „artenarmen Rasenfläche“ vor dem Bahnhofgebäude (260 Quadratmeter) in ein „Insektenparadies“ voller heimischer Wildstauden, Gräser und Sträucher berichtet. Das Filmteam filmte die letzten Arbeiten und sammelte Stimmen, unter anderem von Passanten, ein. Diese äußerten sich rundweg positiv.

Der Verein „Main-Taunus Naturlandschaft und Streuobst“ hatte das Projekt „Wildstaudenbeet für Insekten vor dem Bahnhof in Kriftel“ im Juli 2019 bei der Umweltlotterie angemeldet und am 10. Januar 5.000 Euro gewonnen. 5.000 Euro gab der Verein noch aus der eigenen Kasse dazu. Etwa 3.000 Euro kamen von der Gemeinde, denn das Beet musste für die Bepflanzung zunächst vorbereitet, also der Rasen abgeschält und der Boden maschinell aufgelockert werden.

„Das Beet passt genau ins Konzept der Gemeinde“, lobt der Erste Beigeordnete Franz Jirasek. „Wir haben es uns – insbesondere durch den Rückgang der Artenvielfalt und das massive Insektensterben der letzten Jahre – zum Ziel gesetzt, verschiedene Flächen der Gemeinde ökologisch aufzuwerten und dadurch Nahrung und Lebensraum für viele Arten zu schaffen.“ Im Zuge der „grünen Revolution“ in Kriftel waren gegenüber bereits im Frühsommer 2019 drei Beete (80 Quadratmeter) rund um den Brunnen „Lebensspender“ mit 250 heimischen und insektenfreundlichen Stauden bepflanzt worden. Anfang 2020 wurden weitere Wildstaudenbeete hinter der neugestalteten Bushaltestelle in der Oberweidstraße und direkt vor dem Rathaus als „Bienenparadies“ angelegt.

Beet soll Bürger zum Nachmachen animieren
Das HR-Filmteam filmte den Fortgang der Arbeiten am neuen Bahnhofsbeet und die Verwendung des gewonnenen Geldes. Die Projektverantwortliche des Vereins Main-Taunus Naturlandschaft und Streuobst, Barbara Helling, freut sich über die gelungene Umsetzung. Die Pflanzen stammen von der Schlockerhof-Gärtnerei (EVIM Behindertenwerkstätten) in Hattersheim, das Beet wurde von den Mitarbeitern der Gärtnerei angelegt. „Mit dem Geld konnte ein geeignetes Substrat aufgebracht und heimische Stauden und Gräser angekauft werden“, berichtet sie. „Um die Biodiversität weiter zu erhöhen wurden zudem Natursteine und Holz zur Gestaltung eingesetzt, die Insekten und anderen Tieren als Unterschlupf dienen.“ Der Erste Beigeordnete verspricht: „Die Gemeinde wird sich in Zukunft um die weitere Pflege kümmern.“

Das Wildstaudenbeet besitzt im Gegensatz zu einem intensiv gepflegten Rasen wichtige Nahrungs- und Lebensraumfunktionen für zahlreiche heimische Insekten wie Schmetterlinge, Wildbienen und Käfer. „Auch zahlreiche Vogelarten, sowohl samen- als auch insektenfressende, profitieren davon“, so Jirasek. „Es wurde bewusst eine zentrale Stelle im Ort ausgesucht, um den Bürgern und Bürgerinnen alternative und ökologische Pflanzkonzepte aufzuzeigen und sie zum Nachmachen anzuregen.“ Einheimische Wildstauden sind an die örtlichen Wetter- und Bodenbedingungen angepasst und deshalb sehr robust. Nach einer  Anwachsphase von circa zwei Jahren ist nur wenig Pflege nötig.

Wer ihn noch nicht gesehen hat: Der Beitrag kann in der HR-Mediathek unter „alle wetter“ abgerufen und angeschaut werden.