EDDERSHEIM – Dramatischer Rückgang des Bestandes in Deutschland
Auf 11 000 bis 17 000 Paare wird der Bestand der Schleiereulen (Tyto alba) in Deutschland geschätzt. Das ist erschreckend wenig. Tendenz: Weiter rückläufig! Um so erfreulicher, dass in der katholischen Kirche in Eddersheim in diesem Jahr drei junge Schleiereulen geschlüpft sind. Nach mindestens 12 Jahren Pause!

Unwillkommene Gäste werden angefaucht
„Das ist zu schön um wahr zu sein. Ich glaube es erst, wenn ich die Jungen gesehen habe“, kommentierte Bernd Zürn die Nachricht vom Eulennachwuchs aus dem Nachbarort Eddersheim. Am 13. Juli war es dann so weit: Roman Plaszcyk, der Hausmeister der katholischen Kirche Eddersheim, kletterte voraus, gefolgt von Heinz Hillebrand, Mitglied des Verwaltungsrates sowie dem immer noch skeptischen Bernd Zürn. Ein kurzer Blick in den Nistkasten über dem Kirchenschiff überzeugte ihn: Zwei schon fast flügge junge Schleiereulen fauchtem ihm wenig einladend entgegen. Das ist die typische  Abwehrhaltung dieser Tiere. Das dritte Junge hatte offensichtlich das Nest verlassen, als sich die menschlichen Besucher näherten. Dass es in diesem Jahr insgesamt drei Junge waren wurde von mehreren Anwohnern wiederholt beobachtet. Der Altersunterschied bei diesen drei Eulengeschwistern kann durchaus eine Woche betragen. Das heißt, das dritte Junge war schon flugfähig.

Bis zu drei Bruten pro Jahr sind möglich
Schleiereulenpaare bleiben fast immer lebenslang zusammen. Sie werden in der Regel nur vier Jahre alt, in Ausnahme-fällen 15 bis 20 Jahre. Das Weibchen – es ist meistens etwas größer als das Männchen – legt vier bis sieben Eier. Nach 30 bis 34 Tagen schlüpfen die Jungen. Mit 2 Monaten sind sie flugfähig und verlassen das elterliche Nest. Wenn das Nahrungsangebot, nämlich Mäuse, gut ist können Schleiereulen bis zu drei mal pro Jahr brüten. Dafür sind die Verluste, insbesondere in schneereichen Wintern, enorm.

Für Bernd Zürn ist diese Brut in Eddersheim eine kleine Sensation. Nach seiner Kenntnis ist es die einzige sicher nach-gewiesene im ganzen Main-Taunus-Kreis. Die vom BUND Flörsheim betreuten Schleiereulenkästen – immerhin rund ein Dutzend – warten vergeblich auf Bewohner. Zum Teil seit mehr als 30 Jahren. Immerhin: Der Erfolg in Eddersheim macht Hoffnung und spornt an!

Bernd Zürn