Foto: Gemeinde Kriftel

KRIFTEL – In mehreren hessischen Gemeinden wurde aufgrund der aktuellen, langanhaltenden Hitzeperiode bereits der Wassernotstand ausgerufen. Die Bürger wurden gebeten, Autos nicht mehr zu waschen, Pools nicht mehr zu füllen und das Rasensprengen auszusetzen. Wird auch in Kriftel das Wasser knapp? „In jeder Stadt oder Gemeinde sieht das anders aus“, erklärt der im Rathaus für die Wasserversorgung zuständige Fachbereichsleiter Michael Walter. Das hänge unter anderem von der regionalen Lage ab. Er kann daher besorgte Bürger beruhigen: „Wir haben in Kriftel keinen Wassernotstand“, betont er.

Die Frage, ob es in Ordnung sei, dass Mitarbeiter des Bauhofes in Kriftel weiterhin täglich Blumen, Beete und kürzlich angepflanzte Bäume gießen, kann er bejahen. Mit dem Gießen vom Pflanzen nehme die Gemeinde keiner anderen Kommune Wasser weg: „Wir bekommen vom Wasserbeschaffungsverband Hofheim ein festes Wasserkontingent. Brauchen wir darüber hinaus Wasser, entnehmen wir es aus unseren eigenen vier Brunnen.“ Am Grundwasserspiegel sei bisher kein Rückgang zu verzeichnen. Ein fünfter Brunnen soll künftig die Versorgungssicherheit erhöhen: Der in die Jahre gekommene ‚Brunnen III‘ wird neu gebohrt.

Foto: Gemeinde Kriftel

2.600 Kubikmeter Wasser pro Tag
„Doch auch wenn das Wasser nicht knapp ist, soll es auch gar nicht erst soweit kommen“, mahnt der Erste Beigeordnete Franz Jirasek. Denn sollte eine Pumpe ausfallen, könne es schnell zu Problemen kommen. Er ruft die Bürger dazu auf, in der aktuellen Hitzeperiode sparsam mit Wasser umzugehen. Denn dass die Bürger gerade deutlich mehr Wasser verbrauchen, ist deutlich zu sehen: Circa 2.600 Kubikmeter Wasser sind es zurzeit am Tag, „normal“ sind 1.500 bis 1.800 Liter. Daher solle jeder Wasser „bewusst und sinnvoll“ verbrauchen.

Natürlich hat der Wasserverbrauch auch durch das deutlich umfangreichere Gießen der Blumen- und Staudenbeete sowie neuangepflanzter Bäume in Kriftel in den vergangenen Wochen zugenommen. „Wir gießen in diesem Sommer jetzt auch erstmals Bäume, die schon älter als zehn Jahre sind“, berichtet Katharina Keib vom Amt für Grünes. Denn in diesem Jahr hatten bereits etliche Bäume gefällt werden müssen, die durch die Hitzeperioden in den Vorjahren maßgeblich geschädigt worden waren.

Bäume bekommen Dünger
„Das Wasser ist mit Dünger angereichert, denn Bäume brauchen nicht nur Wasser, sondern auch Nährstoffe zum Leben. So wollen wir erreichen, dass die Bäume vitaler werden, und sich zukünftig besser selbst versorgen können“, so Keib. Fällungen alter, stattlicher Bäume sind nicht nur schade, Neuanpflanzungen kosten natürlich auch Geld. Langfristig müsse grundsätzlich darüber nachgedacht werden, welche Baumarten am besten mit Hitze und Trockenheit umgehen und in Kommunen zukünftig gepflanzt werden können.

Hilfemaßnahme für Mammutbaum
Ein „prominenter“ Baum wurde jetzt gerade besonders intensiv behandelt: der 15 Meter hohe Riesenmammutbaum im Freizeitpark, gepflanzt 1981 anlässlich der Feierlichkeiten zur Begründung der Partnerschaft zwischen Airaines und Kriftel. Anfänglich gerade mal mannshoch, sollte er sollte wachsen und gedeihen wie die Partnerschaft – und das hat er auch getan. Doch in letzter Zeit sah er gar nicht mehr gut aus: Viele braune und trockene Stellen waren sichtbar, die Nadeln hingen schlaff herab.

„Von einer Krifteler Fachfirma wurde eine Bodenbelüftung im kontrollierten Druckluftverfahren durchgeführt“, erklärt der Erste Beigeordnete Franz Jirasek. „100 Löcher rund um den Baum wurden so gesetzt. Der Boden wird verbessert, Nährstoffe, Sauerstoff und Strukturgranulate werden auf diese Weise direkt an die Wurzeln eingebracht.“ Zudem wird der Baum nun mehrfach die Woche intensiv bewässert. „Man sieht jetzt schon deutlich, dass es ihm wieder besser geht“, findet Jirasek. 400 Euro hat die Maßnahme gekostet.

Da nur ausgiebiges und gezieltes Wässern etwas bringt, rät er den Bürgern davon ab, in der aktuellen Lage kostbares Trinkwasser für das Gießen von Bäumen zu verwenden: „Das wäre Wasserverschwendung. Ein Eimer Wasser hat lediglich kosmetische Wirkung, da geringe Wassermengen durch die Oberflächenverdunstung nicht bis zu den Wurzeln vordringen.“ Unter 200 Litern Wasser pro Baum komme erst gar nichts an den Wurzeln an.

Tina Schehler