FLÖRSHEIM – Bereits zum zehnten Mal hatte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Deutschland zur ‚bike-night‘ aufgerufen. Unter dem Motto ‚Mehr Platz für’s Rad – nicht nur in dieser Nacht!‘ startete diese Fahrrad-Demo am vergangenen Samstag, dem 5. September, um 20 Uhr in Frankfurt am Eisernen Steg.

Ein kilometerlanger Strom von – überwiegend jungen und mittelalterlichen – Radfahrern bewegte sich zunächst mainaufwärts auf der Hanauer Landstraße, dem Ratsweg, vorbei an der Eissporthalle, über die Wittelsbacher-, Nibelungen-, Miquell- und Hansaallee. Über den Reuterweg, die Alte Oper und die Taunusanlage erreichten die Teilnehmer am ‚Nizza‘ wieder den Main und, dem  ‚Untermainkai‘ folgend, gegen 22 Uhr ihr Ziel: Der ‚Eiserne Steg‘. Auf der gesamten Strecke sorgten Polizisten auf Motorrädern und ADFC-Ordner mit Fahrrädern, dass die Teilnehmer überall ‚Freie Fahrt‘ hatten, auch bei roten Ampeln.

Mit seinen 82 Jahren war der Flörsheimer Bernd Zürn wahrscheinlich der älteste Teilnehmer der ‚bike-night 2020‘. Unmittelbar nach dem Start hatte er sich an einer Engstelle postiert. Sein Ziel: Die Teilnehmerzahl ermitteln. Das macht er schon seit vielen Jahren. Auch bei sehr großen Veranstaltungen mit Tausenden Beteiligten. Er kam diesmal auf etwas über 1.600. Wegen der Corona-Krise hatte kaum jemand mit so vielen Menschen gerechnet.

Die vom Veranstalter eindringlich vorgetragenen Maßnahmen – Mundschutz und Sicherheitsabstand – wurden erfreulich gut befolgt. Darunter litt allerdings die sonst übliche ausgelassene Fröhlichkeit. Fahnen, Wimpel, geistreiche Plakate (‚Der Weg in die Zukunft ist ein Radweg!‘), mit bunten Lampions geschmückte Lastenräder und Sonderfahrräder aller Art machten diese Demo zu einer sehenswerten Werbefahrt für das Rad. Dem sollte – und das war das eigentliche Ziel dieser Veranstaltung – mehr Raum in den Innenstädten gegeben werden. Zumal es auf kurze Strecken das mit Abstand sinnvollste innerstädtische Verkehrsmittel ist.

Manche Teilnehmer konnten gar nicht glauben, dass die Innenstadt von Frankfurt so schön und lebenswert sein kann, wenn wenig oder keine Autos dort fahren oder parken. Überall saßen fröhliche Menschen in den Straßencafes, den Biergärten und den Anlagen,
frei von Lärm und Abgasen. Einige – meist sehr jugendliche männliche Autofahrer mit teuren Fahrzeugen – ließen ihre Motoren aufheulen oder veranstalteten Hupkonzerte als Reaktion auf diesen Fahrrad-Corso.

Solche Demos haben schon viel bewirkt. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls Bernd Zürn und freut sich, dass in den letzten Jahren auf mehreren Hauptverkehrsstraßen in Frankfurt eigene Fahrspuren für Zweiräder reserviert und deutlich abmarkiert wurden. Das ist so ermutigend, dass er auch im nächsten Jahr wieder dabei sein wird wenn es heißt: ‚Mehr Platz für’s Rad‘.

Bernd Zürn