RÜSSELSHEIM – Zu einem „krönenden Abschluss“ der Radtouren-Saison 2020 im Skiclub Rüsselsheim und des Stadtradelns waren die Mitglieder zu einer ganztägigen Radtour eingeladen, bei der sie auf einer Fahrt Richtung Darmstadt „fürstlich belohnt“ werden sollten.

Wir müssen nicht ins Münsterland oder an die Loire fahren, auch hier in unserer Umgebung gibt es eine Schlössertour auf den Spuren von Ernst-Ludwig, Ludwig III und Georg I., die sich in den Wäldern nette kleine Jagdschlösser für ihre Parforcejagd hatten bauen lassen.

Kurz nach dem Start am Sonntagmorgen wurde am Jagdschloss Mönchbruch, das bei den Montagabend-Radtouren oft einfach links liegen gelassen wird, der erste Stop eingelegt

Weiter auf Schleichwegen durch Mörfelden und einem schwer geschädigten Wald wurde „Schloss Wolfsgarten“ bei Langen erreicht. Dessen herrlicher Garten normalerweise zweimal im Jahr für die Bevölkerung zugänglich ist, aber dessen hohen Rhododendronbüsche den Blick auf das Schloss versperrten.

In Egelsbach  konnten die Radler das erste Teilstück des Radschnellweges mit seiner besonderen Beschilderung bestaunen – aber nicht befahren, in der anderen Richtung ging es weiter wieder in den Wald zum „weißen Tempel“, den sich Großherzog Ludwig III. hatte errichten lassen. Hier ließen sich die Skiclubradler unter dem riesigen Holzschirm ein kleines Sektfrühstück munden.

Weiter mal rasant, mal wieder leicht ansteigend durch den „Kranichsteiner Forst“ – vorbei an der „Dianaburg“, ein von Ludwig VIII. erbautes Jagdhaus im Rokokostil, war es nicht mehr weit bis zum „Schloss Kranichstein“, einer der wenigen noch erhaltenen  barocken Jagdhöfe in Deutschland.  Für Besichtigungen – zum Beispiel des berühmten Jagdmuseums – nahm sich heute niemand Zeit.

Die Schlössersuche musste fortgesetzt werden!

Dem „R8“ folgend  über die Rosenhöhe  zur Mathildenhöhe mit dem Wahrzeichen „Hochzeitsturm“ und der russischen Kapelle, wo im Platanenhain ein kleines Freiluftcafe zu einer Pause einlud – von dort  waren es nur noch wenige Meter durch eine Seitenstraße, bis die Radgruppe das „Darmstädter Residenzschloss“ sehen konnte. Von den Katzenelnbogener Grafen ursprünglich als Wasserschloss erbaut wurde, in dem sich heute die Universitäts- und Landesbibliothek befindet.

Über den Friedensplatz, auf dem das neuste Kunstobjekt, der Erzengel Michael aus Schrott bestaunt werden konnte, ging es weiter durch den „Herrngarten“, wo   ein weiteres Schloss entdeckt wurde: das „Porzellanschlösschen“. Nur ein paar Querstraßen weiter gab es noch ein märchenschlossähnliches Gebäude zu sehen, die „Waldspirale“, das Hundertwasserwohnhaus.

Auf gut gekennzeichneten Radwegen wurde Darmstadt verlassen, rasch Weiterstadt erreicht und schon standen die Radler vor dem siebten Schloss in Braunshardt.

Die Frage: ein achtes Schloss oder lieber ein Eis? erhielt ein klares Votum –   und wurde bei der Durchfahrt von Worfelden mit einem Stopp an der Eisdiele umgesetzt.

Zufrieden über 67 zurückgelegte Kilometer, bei herrlichem Spätsommerwetter, mit einer manchmal etwas merkwürdig scheinenden Sonne, dabei sieben Schlösser (das Fahrradschloss nicht mitgezählt!)  und ein Stück hessischer Geschichte kennengelernt zu haben und noch einige km für das Stadtradeln- Konto erreicht zu haben, kehrten die Skiclubradler nach Rüsselsheim zurück.

Christine Lutz